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Jeschurun · 1863-12-01 · Heft 3 (Dezember 1863) · p. 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 3 (Dezember 1863)
Article
Marocco : Tanger [Nachricht]
Date
1863-12-01
Page
106 (sequence 3)
Language
German
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energischsten Bemühungen von Setten dortiger Inden zu Gunsten der unglücklichen Märtyrer unternommen. Man erlangte es endlich, baß an den Minister des Auswärtigen zu Madrid telegraphisch die dringende Bitte um Aufschub der Hinrichtung der beiden noch übrigen Gefangenen gerichtet wurde. Dieser kam der Aufforderung alsbald nach und sandte ein Telegramm nach Tanger, worin er dem spanischen Consul daselbst die Ordre gab, jede wettere Hinrichtung bis auf wettere Information aufzuschieben. Die Details der Hinrichtungen sollen schrecklich sein. Doch gelang es dem Muthe zweier Glaubensgenossen, Samuel Labos und Salomon Affalo, Dolmetscher beim italienischen Generalconsulate in Tanger, die sich mit Gefahr ihres Lebens zwischen die Henker warfen, sich der Kopfe der Unglücklichen zu bemächtigen und ihnen wenigstens das Begräbntß im Kreise der Brüder zu sicher». Die Willkür und der Fanatismus des spanischen Gesandten hat aber noch nicht ihr Ende erreicht. So widersetzte er sich mit aller Macht der Wiederausgrabung des Steuereinnehmers, die die Juden in Tanger, zur Widerlegung der Anklage, die schon zwei ihrer Genossen auf schreckliche Weise mit dem Tode gezahlt, verlangt hatten. Er ist hier eben allmächtig. Ueber das weitere Schicksal der beiden noch in grausamer Kerkerhaft befindlichen Juden, enthält das Jew. Chron. Auszüge aus Briefen, die von sehr glaubwürdigen Personen in London angekommen sind. Hiernach werden die beiden überlebenden jüdischen Gefangenen noch immer in dem abscheulichen Gefängniß gehalten, mit schweren Ketten und Eisen belastet, nachdem sic die scheußlichen Torturen erlitten. Ja, der Blutdurst des spanischen Consuls Merry y Colon scheint noch nicht befriedigt zu sein, denn er ließ eine arme Jüdin, welche Milch in dem Hause des verstor-- bene» spanischen Steuereinnehmers verkaufte, elnkerkern und der Tortur unterwerfen. Die eingeborenen Marokkaner sehen auf dieses Schauspiel europäischer Ctvilisation mit Abscheu hin und der Kadi hatte sich mit aller Macht der Hinrichtung der beiden gctodteten Inden widersetzt, da der spanische Consul nichts Wetter als das Geständntß des getödteten Knaben vorzubringen hatte, indem er daraus hinwics, daß die mohamedantsche Justiz ein unter der Tortur abgegebenes Zeugniß als rechtsgültig nicht annehme. Aber der Spanter hatte die Erlaubniß zur Hinrichtung von dem geistesschwachen Sultan zu erlangen gewußt. — Ueberhaupt gehen die Vertreter der spanischen Negierung in Afrika jetzt, soweit nur ihre Macht reicht, mit einem Eifer gegen die Juden vor, der der blühendsten Zeit der Inquisition, der des Verbaunungsdecrcts von 1492, würdig und ebenbürtig erscheint, welcher aber, in der Verbindung mit ihrem Verfahren gegen Protestanten, hinretcht, in Zweifel zu ziehen, in

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