Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1863)
- Article
- Marocco : Tanger [Nachricht]
- Date
- 1863-12-01
- Page
- 105 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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105 des aryren Knaben und dreier erwachsener Juden des Ortes. Man vergegenwärtige sich jetzt die Situation. Kein Arzt war während der Krankheit hinzugezogen worden; eine Sektion nicht veranstaltet, keine gerichtliche Inspektion der Leiche, oder sonstiger legaler Akt aufgcnommen worden. Der Knabe betheuerte heilig und fest seine Unschuld. Der ' spanntsche Konsul orditete an, daß man ihn aus die Folter spanne, das geschieht, und die ausgesuchtesten Qualen der schrecklichen Tortur erpressen dem Unglücklichen einige Worte, die die blutdürstigen Richter für ein Geständniß annehmcn wollten. Man hatte dem Unglücklichen eingeredet ein Geständniß würde ihm das Lehen retten. Der spanische Gesandte verlangte nun auf dieses durch die Tortur erpreßte Erkenntniß hin, die Hinrichtung des Knaben, trotz der energischen Protestes von Seiten dss Kadis, daß nach mohamedänischen Rechtsgrundsätzen ein durch die Tortur erpreßtes Bekenntniß ungültig sei. Jedoch die Stimme des christlichen civilisirten Gesandten der christ-katholischen Majestät wog bei dem schwachen Sultan mehr, und sp wurde der unglückliche Knabe hingerichtet; sein letzter Seufzer war die Betheuerung seiner Unschuld. Die fanatische Wuth des Consuls war aber mit diesem einen Opfer nicht gekühlt. Man schritt jetzt zur Massacrirung der zwei Mitangeklagten. Sic betheuerten natürlich ihre Unschuld. Da mißhandelte man den ersten von ihnen, Benelous zuerst aufs furchtbarste mitStockschlägen, und als dieseihm kein Bekenntniß entlockten hing man ihn an den Füßen, den Kopf nach unten zu, mif; als auch dieses nichts fruchtete legte man ihn nackend in eine Kiste voller Nägel, deren Spitzen bet der geringsten Bewegung dem Unglücklichen ins Fleisch drangen. Diese fürchterlichen Qualen und die Gewißheit, daß ev nur so ihnen ein Ende setzen konnte, entlockten dem Gemarterten endlich eine Art von Geständnis!. Ihm harrte dasselbe Schicksal das den unglücklichen Knaben getroffen. Vergebens waren die?lnstreugungen der jüdischen Gemeinde zu Tanger, sie baten, flehten zum Consul man möge doch eine gehörige Untersuchung einlcitcn, sie wandten sich an die Vertreter der auswärtigen Mächte, sie wollten eilte Bittschrift an die Königin von Spanien absenden, höhnisch wies sic der spanische Consul zurück, die Vertreter der auswärtigen Mächte richteten nichts aus, und der unglückliche Jude wurde am andern Morgen verstümmelt auf den Richtplatz geschleppt. Man hatte noch die Grausamkeit Flintmkugclnin seine Beine zu schießen um seine Quak zu vermehren. Unter hem Schmahrufc fiel sein Haupt von Henkershand. Zwei unglückliche Juden schmachteten noch im Kerker und sahen einem ähnlichen Schicksale entgegen. Inzwischen war jedoch die Kunde von diesen Grenelthaten nach Paris gelangt, und sofort wurden die