Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1863)
- Article
- Marocco : Tanger [Nachricht]
- Date
- 1863-12-01
- Page
- 107 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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wiefern Spanien eine Stelle unter den europäischen Staaten wieder einzunehmcn schon jetzt das Recht habe. So will der spanische Vice- Consnl in Tanger durchaus die Juden, die in derselben Straße mit ihm wohnen, aus dieser nach einem andern Stadttheile zu ziehen zwingen, mögen diese nun die Häuser eigenthümlich besitzen oder zur Miethe wohnen. Viele Mauren, die im spanischen Solde stehen, führen nun den Willen des spanischen Consuls mit Gewalt durch und verachten die Autorität ihrer eigenen Richter und Behörden. Das sind Proben der so hoch gerühmten Civilisatton des 19. Jahrhunderts. In Rußland hat man auf nachweislich falschem Urtheilsspruch hin, in allerneuester Zeit Juden maffakrirt und nach Sibtrien gesandt; in Rom raubt man noch in allerneuester Zeit Knaden und Mädchen und mortarisirt sie; unter Spaniens tiefkatholischein Scepter spannt man unglückliche unschuldige Juden auf die Folter und mordet sie von Rechtswegen; Vertreter europäischer Groß- Mächte sind dabet und können oder wollen es nicht hindern. Sollten die Huronen viel uncivilisirtcr sein können? — Wir fügen noch eine Correspondenz der ״Opi». Nation." vom 30. Oktober hinzu, die noch einiges Licht auf die schreckliche Affaire wirft. — Einige Journale — schreibt sie — haben es unternommen die Verantwortlichkeit für die schreckliche Tragödie, die sich in Marokko zugctragcn hat und in welcher zwei Israeliten die unschuldigen Opfer waren, vom spanischen Consul, Francisco Merry y Colon, abzuwälzen. Wir empfingen jedoch von der ״Alliance israelite" Mittheilungen, die uns erlauben zu versichern, daß im Gcgentheil Marokko sich in dieser bcklagenswerthen Affaire viel mcnschlicher, viel civilisirter benommen hat, als das katholische Spanien. M. Francisco Merry y Colon hatte sich auf die Nachricht vom Tode des Einnehmers, in Begleitung eines Arztes nach Saffi begeben, um die Autopsie des Verstorbenen zu machen. Aber inzwischen war die Tortur angewandt und Geständnisse auf diesem Wege erlangt worden. Der spanische Consul hat sich darauf für vollkommen überzeugt durch die Aussagen der Angeklagten erklärt, und ihre augenbltckliche Hinrichtung vom Gouverneur der Stadt verlangt. Dieser, nach einer Berathung mit dem Kadi und den Ulemas widersetzte sich der Verurtheilung zum Tode, aus zwei Gründen: 1) Weil nicht hinlängliche Beweise Vorlagen, 2) Weil die Angeklagten keine Vcrtheidiger hatten. Don Francisco Merry y Colon, erzürnt über diese Weigerung insul tirte den Kadi und schickte aus der Stelle einen Courier zum Sultan und verlangte categorisch den Tod der Angeschuldigten. Der Sultan, erschrocken über die Affaire die sich so eben in Me-