Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-12-01
- Page
- 85 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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85 Gespräch zu unterhalten. Als. er aber nach geendetem Mahle seiner Gattin und Tochter mtttheilte, daß sie noch im Laufe des Tages B. verlassen müßten, da fiel's wie eine Ccntncrlast Aurelten aufs Herz, und zitternd bat sie ihren Vater um eine Unterredung. ״Gern, gern liebes Kind", war die freundliche Antwort, ״nichts könnte mir an- > genehmer sein, all zu lange habe ich das Glück entbehren müssen mich mit meiner Tochter zu unterhalten." Er reichte ihr den Arm und beide begaben sich in sein Zimmer. Werner ließ sich auf einen Sessel nieder, auf dessen Lehne Aurelie sich stützte. ״Nun Kind, ich dachte du wünschtest mit mir zu sprechen, was hast du denn auf dem Herzen?" ״Meine Liebe," flüsterte Aurelie hoch crröthend, indem sie sich zu ihrem Vater nicderbcugte, so daß ihr Haar das seine berührte. ״Armes Kind" sagte Werner und schlang seinen Arm um ihre Taille, ״das mußt du freilich verschmerzen, hätte ich dir's ersparen können, weiß Gott, mein Herzblut gäbe ich dafür." ״Aber Ferdinand — ' ״Glaube mir" unterbrach sie ihr Vater, ״es ist für euch beide besser, ihr seht euch nicht mehr. Laß uns nur erst wieder in der Stadt .sein, dort kannst Du's leichter ertragen; hier erinnert Dich alles zu sehr an die jüngste Vergangenheit, in wenigen Wochen hoffe ich es auch vielleicht möglich zu machen, dich aus einige Zeit nach Italien zu führen, dort — ״Also die Reise soll mich entschädigen für Ferdinands Liebe", sprach Aurelie mit verächtlichem Lächeln, ״das kann dein Ernst nicht sein Vater, bin ich denn ein Kind geworden, das man mit Zucker^ brod zu locken sucht?" ״Du sprichst aufgeregt, Kind, und verkennst meine Absicht ganz und gar, wozu sollte ich dich denn locken wollen? ich verlange ja nichts von dir, nicht entschädigen, nur zerstreuen sollte dich die Reise. Deinem Kunst- und Schönheitssinn würde Italien reiche Genüsse bieten, und das Herz beruhigt sich leichter, sind Geist und Phantasie beschäftigt." ״Aber ich kann nicht leben ohne Ferdinand, weder hier noch in Italien!" rief Aurelie in Schluchzen ausbrechend. Werner drückte sie mitleidig lächelnd fester an sich, ״du mußt es lernen Kind", sprach er sauft. ״Zwar wird cs Dir im Anfänge schwer werden, denn es ist das erste Mißgeschick, das dich trifft, das Leben hat Dir bis jetzt