Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-12-01
- Page
- 82 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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8,2, Aus der Gegenwart. H. , ״Trotz Allem wird Aurelie mein," unterbrach ihn der Gras außer sich. - ״Herr Graf, vergessen Sie nicht, daß auch die Macht des Hausrechts aus meiner Seite ist. Entfernen Sie sich augenblicklich, und wagen Sie es nie, den Fuß wieder in mein Hauö zu setzen." ״Aber Ihre Tochter werde ich in das meine führen!" und wüthend stürzte der Graf, fort. Werner begab sich zurück zu seiner Familie; im höchsten Grade aufgeregt dürchmaß er das Zimmer mit hastigen Schritten. ״Hast du schon dinirt Werner?" frug seine Gattin schüchtern. ״Vorgestern in W." war die trockene Antwort. ״Gieb Ordre, Aurelie, daß für deinen Vater aufgetragen wird." ״Bemühe dich nicht, Kind, die Freude hat mich ganz satt gemacht." — Doch Aurelie entfernte sich eilends. Sobald sie die Thür hinter sich geschloffen hatte, hielt Werner sich nicht länger, wüthend stürzte er zu seiner Frau. ״Hast du nun genug Weib? ist deine mütterliche Eitelkeit nun befriedigt? Den reinen Namen deiner Tochter hast du untergraben und sie selbst auf lange Zeit unglücklich gemacht, denn den Mann, den sie liebt, wird sie nie wieder sehen." ״Aber sie ist rein und unschuldig, das schwöre ich dir." ״Dank dem Himmel dafür, aber wer wirds glauben? Die Schöne des Grafen H. nennt sie die Welt." Der eintretendcn Diener, der de» Tisch zu ordnen kam, unterbrach das Gespräch. Aurelie aber kehrte nicht zurück. Sie war in ihr Zimmer geflüchtet und von den verschiedenartigsten Gefühlen bestürmt, hatte sie sich aufs Canapee geworfen. So hatte sie ihren Vater noch nie gesehen. Setneu Wortwechsel mit dem Grafen hatte sie, wenn auch nicht verstanden, so doch vernommen, und sie fing an sich ihrer Lage bewußt zu werden; laut schluchzend bedeckte sie das Gesicht mit beiden Hauden. — Wie lange sie so blieb, sie wußte es selbst nicht, aber mehrere Stunden mußten schon vergangen sein, denn die Sonne war längst untergegangen, als ein leises Klopsen an ihrer Thür sie aus der dumpfen Betäubung weckte, in die sie versunken war. Sie erhob sich und öffnete. Ein junges Mädchen ans der Nachbarschaft stand vor ihr und überreichte ihr, sich scheu umblickend, verstohlen ein süß duftendes Bittet. ״Von dem Herrn Grafen H." flüsterte sie. Aureliens Wangen erglühten, sie ließ ein Geldstück in die Hand des