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Jeschurun · 1863-12-01 · Heft 3 (Dezember 1863) · p. 81

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 3 (Dezember 1863)
Article
Aus der Gegenwart
Date
1863-12-01
Page
81 (sequence 2)
Language
German
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Von S . . . 81 legen, Äurelie kann nie die Ihre werden. Das Judenthum ist keine Religion die sich durch einige Tropfen Wasser annehmen oder abwaschen läßt. Der Himmel hat meine Tochter als Jüdin geschaffen und Menschen vermögen dieses nicht zu ändern." ״Aber auch der Himmel hat unsere Herzen vereint und Menschen vermögen sie nicht zu trennen," ries der Graf leidenschaftlich. Ein mitleidiges Lächeln spielte um Werners Lippen aber er schwieg. ״Herr Werner," fuhr der Graf fort, ״ich liebe Ihre Tochter aufrichtig; ich kann ohne sie nicht leben. Doch das dürfte Sie wenig kümmern; aber ich weiß, daß meine Leidenschaft erwiedert wird, daß Aurelie mich eben so heiß nnd innig liebt, wollen Sie Ihre Tochter unglücklich machen?" ״Gott wird ihr helfen," entgegnete Werner fest. ״O über den Aberglauben, der Gott anruft und das Göttlichste, die Liebe verleugnet. Ich beschwöre Sie, Herr Werner, nehmen Sie Ihr Wort zurück, um alles Heiligen willen spielen Sie nicht leichtsinnig mit dem Glücke zweier Menschen, mit dem Ihrer Tochter. Was verlange ich denn so Großes? Wir glauben ja an einen Gott, der Gott der Juden ist ja auch der der Christen, was kümmert es Ihn in welcher Weise man zu Ihm betet?" ״Könnten wir zweifeln, daß es Ihn kümmert, so müßten wir überhaupt bezweifeln, daß er sich um unser Gebet kümmert. Doch wir wollen uns jetzt nicht in dogmatische Fragen ergehen, Sie sind zu aufgeregt Herr Graf. Aber Sie sagen mir so eben, daß meine Tochter Sie liebt, ich muß Sie daher nicht nur um des Namens meiner Tochter sondern auch um ihrer Ruhe willen dringend ersuchen, Ihre Besuche einzustellen und überhaupt nie wieder Aurelie sprechen zu wollen." ״Und Nichts könnte Sie bewegen Ihren Entschluß zu ändern?" ״Nichts." ״Aber auch Nichts wird im Stande sein, meinen Entschluß zu ändern, und geschworen habe ich's, Aurelie mein zu nennen; nnd so wahr ich ein Edelmann bin, ich will und werde es!" schrie der Graf. ״Das sind Worte eines Edelmanns aber keines Ehrenmanns," rief Werner, ״doch Gottlob es giebt noch Gesetze, die die Autorität des Vaters schützen und —" k

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