Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 2 (November 1863)
- Article
- Worte, am 18. Oktober 1863 in der Synagoge der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. gesprochen
- Date
- 1863-11-01
- Page
- 54 (sequence 14)
- Language
- German
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54 Worte am 18. Oktober 1863!c. gesprochen de m jüdischen Berufe spielen, durch welchen uns eben erst die Berechtigung zur Freiheit und zum Rechte verbrteft ist. Nur wer allem Göttlichen mit reinem Sinn, mit unwandelbarem - Herzen, mit bescheidener, aufrichtiger Hingebung sich naht, dem wird Alles eine Quelle des Lebens und des Heiles, und so wird auch den Juden, die im Laufe dieses halben Jahrhunderts freie Dtenschen und Bürger geworden und dabet' Juden geblieben sind, und dabet kein Titelchen vom Judenthum in den Kauf gegeben, Beides, die Freiheit und das Judenthum sich segensreich bewähren. יברכגו אלקי' וייראו אותו כל אפסי ארץ, heißt es in unserm Liede: אין הכ׳ה מושיע אח ישראל במעשיהם אלא להודיע!כורתו ולהודיע שמו, Gott hilft uns in unserm unverkürzt jüdischen Leben um seine Allmacht und seinen Namen zu verherrlichen. Haben wir aber nicht auch andere verlockende Stimmen vernommen? Ist man nicht in die Gassen der Juden gegangen und hat zu ihnen gesprochen: ״Laßt ab! Ihr könnt nicht frei und gleich werden, so lange ihr am alten Judeuthum haltet! Ihr versteht doch sonst euren Vorthcil. Seht Ihr denn nicht, daß die Freiheit der Völker viel mehr Werth ist als eine alte Satzung, die auf altes vergilbtes Pergament der Jahr- Hunderte geschrieben ist. Ihr meint euch Seligkeit im Jenseits zu erwerben und verliert das Bürgerrecht diesseits." Solche und ähnliche Stimmen haben dem heiligen Siege der Freiheit und des Menschenrechts, Dem, worin eben der Jude seinen höchsten Triumph feiern soll, die Spitze abgebrochen. Sie haben im Angesicht der Völker gesägt: Wir wollen aufhören Juden zu sein, dafür reicht ihr uns die Bürgerkrone! Wenn unsere Großväter und Großmütter, die sich in die GhetttS haben pferchen lassen, die sich den gelben Schandfleck auf die Brust haben heften lassen müssen, die sich von dem alten Weib an den Thoren habe» begleiten lassen müssen, wenn die hatten aufhören wollen Juden zu sein und dem Unrecht und der Ge- Walt und dem Fanatismus mit dieser Willfahrung de» vermeintlichen Grund der Anfeindung hätten nehmen wollen, sie wären damals schon freie Bürger geworden und hatten sich mit Verleugnung ihrer Pflichten gegen Gott die Gleichachtung aus Erden erkauft. Wenn wir daher diesen Tag jubelnd als einen Gedächtnißtag des endlichen, siegreich durchbrechenden Rechtbewußtseins in der Brust der Völker begrüßen, so sei dieser Tag zugleich ein Tag der Mahnung für uns,