Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 2 (November 1863)
- Article
- Worte, am 18. Oktober 1863 in der Synagoge der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. gesprochen
- Date
- 1863-11-01
- Page
- 52 (sequence 12)
- Language
- German
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52 Worte am 18 Oktober 1863 rcgesprochen den wieder zurückzuweisen von dem ihm von Gott verliehenen Rechte. Da zeigten die Volker wie unreif sie noch selber waren für die Freiheit und das Recht. Wer die Freiheit bet Andern nicht achtet, wer das Recht Anderer mit Fußen tritt, der darf sich nicht beklagen, wenn auch seine Freiheit gekürzt wird und wenn auch ihm die Gewaltigen den Fuß auf den geknechteten Nacken setzen. So war es vor fünfzig Jahren — und jetzt? Wenn eS etwas gibt, was uns den Triumph des göttlichen Rechtes und der unverlierbaren, von Gott der Menschheit verbrieften Grundsätze zeigt, so ist es eben die Stellung, die nunmehr die Juden, nach fünfzig Jahren bereits auf Wetter deutscher Erde gewonn e n h a b e n. Vor fünfzig Jahren war es selbst vielleicht noch in unserer Vaterstadt eine Frage, ob der Jude auch wohl das Recht haben dürfe auf die Trottoirs der Promenaden zu gehen, und heute, nach fünfzig Jahren, sitzt er ebenbürtig mit in der Versammlung der Bürger und berathet mit die Gesetze, die Ordnungen und die Angelegenheilen des Staates. Vor fünfzig Jahren mußte der Jude noch den Zoll an den Thoren deutscher Städte bezahlen, mußte dem Viehe gleich, wenn er Einlaß haben wollte, sich verzollen, und ein altcS Weib oder ein Grenadier führte den Inden wie einen Verbrecher zum Hause der Väter der Stadt, um ihm für ein oder zwei Nächte den Geleitsbrief crthcilen zu lassen. Nach fünfzig Jahren, wo ist der Nichtjnde, der sich nicht selbst dieses Vergangenen schämte! Fünfzig Jahre haben die Gedanken des Menschenrechtes, der Freiheit und Brüderlichkeit zu einer bedeutenden Herrschaft gebracht. Und nun m. B. fragen wir uns vor Gott selbst, mochten wir, wenn auch dieses Rcchtsbewußtsein noch niht überall seine vollendete Reifegefunden, möchten wir für uns und unsere Kinder durch »apoleonische Dekrete frei und gleich geworden sei», oder möchten wir die Freiheit und Gleichheit durch das Rechtsbewußtsein der Menschen? Was äußere Macht, und das Diktat der Gewalt schafft, das hat keine Gewähr, das geht vcrlorcn, wie die äußern Verhältnisse sich ändern, wie die Machtund die Gewalt in Trümmer fällt. Nur was in der Brust der Menschen Wurzel geschlagen, was in dem Bewußtsein der Menschen zur Herrschaft