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Jeschurun · 1863-11-01 · Heft 2 (November 1863) · p. 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 2 (November 1863)
Article
Worte, am 18. Oktober 1863 in der Synagoge der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. gesprochen
Date
1863-11-01
Page
51 (sequence 11)
Language
German
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von Rabbiner Samson Raphael Hirsch. 51 war und wie sehr auch eben die Behandlung, die das jüdische Volt vor fünfzig Jahren nach diesem 18. Oktober gefunden, ein Zeügniß der Armnth, ein Zeugniß des Unreife war, welches die Völker sich selbst in das Buch der Geschichte einzeichnetcn, gleichwohl haben wir unendlich uns zu freuen, dürfen mit aufrichtigsten! Herzen Gott -danken, daß dieser 18. Oktober uns gekommen und wir nach fünfzig Jahren segnend auf ihn zurückblicken können. Das jüdische Volk ist von jeher der Maßstab und Prüfstein gewesen für den Rechtsstnn, für die Stufe der Gesittung und des sittlichen Adels der Völker. Als Gott das jüdische Volk hinstrcnte in den Kreis der Völker, da stellte er durchaus wehrlose, machtlose, durch Nichts gerüstete Menschen ihrer Behandlung hin, und machte das Erträgliche oder Bittere ihres Daseins völlig von deren Rechtbewußtsein und Menschlichkeit abhängig. Es war kein Kunststück, Jud mach Mores zn rufen; es war kein Kunststück den Inden am Bart zu zupfen; es war kein Kunststück' die Juden in die Ghettiö zu pferchen; cs waren das keine Heldenthatcn; es gehörte keine Große dazu. Wohl aber gehört Größe, Mcnschcnadel und ein reines Bewußtsein von dem Rechte und der Würde des Menschen dazu, zu dem alten geknechteten, gehöhnten Juden htnanzutreten, ihm die Fesseln von Arm und Fuß zu lösen und zu sprechen: ״Auch der Jude ist ein Mensch", ״Auch der Jude ist Bürger, auch in dem Inden erkennen wir den göttlich geadelten Menschen, den gleichberechtigten Bürger." Diese Probe hatten die Völker auf Leipzigs Feldern zu bestehen. Sic bestanden sie nicht. Kann! war die Fahne der Freiheit und der Menschenrechte wieder jenseits des Rheins, kaum fühlten die Fürsten und Völker sich wieder heimisch auf heimischem Boden, so hatten die Inden wieder Alles verloren was die Gallier ihnen gebracht, war der Freibrief wieder zerrissen, den sic unter dem fränkischen Regime erhalten. Der fränkische Gewaltherr achtete Keinen, darum achtete er Alle gleich. Nicht aus Menschlichkeit hatte der Jude aus seiner Hand die Gleichheit empfangen; er achtete Alle gleich nicht, darum achtete er auch den Juden so wie die Andern; faktisch aber war dock der Jude frei undMeich geworden. Aber mit der fränkischen Fahne zog auch die Freiheit und Gleichheit für die Juden über den Rhein, und nichts Eiligeres hatten die großen und kleinen Staaten zn thun, als den Juden wieder hinein zn pferchen in das alte Unrecht; als den Ju-

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