Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 2 (November 1863)
- Article
- Worte, am 18. Oktober 1863 in der Synagoge der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. gesprochen
- Date
- 1863-11-01
- Page
- 50 (sequence 10)
- Language
- German
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Worte am 18. Oktober 1863 regesprochen '50 erlebten, wie die׳ Fürsten ans eigenem Antrieb zusammentraten und es offen anerkannten, daß sie noch Schuldner ihrer Völker seien. Die Gottessaat läßt aber Fürsten und Völker so lange nicht zur Ruhe kommen, als nicht von Fürsten und Völker überall dem einen einzigen göttlichen Rechte die wahre Huldigung mit aufrichtiger Hingebung gebracht wird. Allein auch die Völker waren damals noch nicht reif, und gerade diese Betrachtung gestaltet dies heutige Jubiläum des 18. Oktobers für uns Juden, zn einem Tag der aufrichtigsten jüdischen Freude. Wohl dürfte mancher denkende Jude und manche denkende Jüdin sich gefragt haben: Sollen wir denn auch den 18. Oktober feiern? Haben wir denn gewonnen bei diesem Völker-Siege? Denn wenn es Völkersamilie gab, die vielleicht sogar mit Freude und Hoffnung die gallische Fahne über den Rhein hatte herüber ziehen sehen können, wenn es Menschen auf deutschem Boden gab, die sich freuen konnten, daß die alten Throne und die alten Gesetze und die alten Ordnnngen züsammenstürzten, so durften es wohl mit vollem Rechte die Juden und Jüdinnen vor mehr als fünfzig Jahren gewesen sein. Diese alten Throne und diese alte» Ordnungen und Gesetze der Völker hatten ja für die Juden nur Jammer und Hohn, und wenn auch nur Ein Splitter von jenem Rechte, von jener Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, welche die Gallier verhießen, sich verwirklichcn würde, so durften unsere Väter und Großväter hoffen, cs müsse für die Juden besser, es könne für sie nicht schlechter werden. Wenn daher unter all. Denen, die bei Leipzig bluteten, es aufopferungsvolle, uneigennützige Menschen gegeben, die nur ans Patriotismus, nur aus dem Gefühle für Wahrheit und Recht und für das Wohl des Ganzen in den Kampf gezogen, jüdische Männer, jüdische Jünglinge waren es; Juden durften glauben auf Leipzigs Feldern nichts zu gewinnen, vielmehr Alles zu verlieren zu haben; Juden hatten zu fürchten, daß wenn die früheren Völkcrvcrhältnisse wieder cintretcn würden, auch damit daS frühere Unrecht und die frühere Gewalt und der frühere Hohn gegen die Juden einziehen dürfte. Und gleichwohl hielt diese Furcht keinen jüdischen Jüngling, keinen jüdischen Mann zurück, der damals auszog in den Kampf gegen seine eigene Befreier. Und gleichwohl, wie sehr auch diese Furcht eine begründete