Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 2 (November 1863)
- Article
- Worte, am 18. Oktober 1863 in der Synagoge der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. gesprochen
- Date
- 1863-11-01
- Page
- 45 (sequence 5)
- Language
- German
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von Rabbiner Samson Raphael Hirsch. 45 Von dieser Zeit an ist der fortschreitende Siegeskampf dieses göttlichen Rechts der Inhalt aller Völkergeschichte. Jede göttliche Wahrheit ist ein Samen, eine Saat, die, wenn sie einmal die Erde berührt, nicht nachläßt bis sie sie sich zum Boden ihrer Blüthe und Frucht erobert, und so ist auch diese ans dem sinaitischen Bewußt» sein in die Gemüther der Menschen eingezogene Wahrheit von Lnr Freiheit und Gleichberechtigung der Menschen, ans dem Bewußtsein der Völker nicht mehr geschwunden. Allein mit Dem, was Gott als ewige Wahrheit in der Brust der Menschen geweckt, was er mit seinem Worte am Sinai besiegelt, läßt sich nicht spielen. ושמתם, heißt es von sedem göttlichen Worte: Ihr macht es zum סמאדחיי למיימיגין בה, oder zum סמא רמוחא למשמאילין בה. Alles Göttliche, alles Wahre wird zum Balsam des Lebens für Die, die es mit Redlichkeit und Aufrichtigkeit erfassen'und sich ihm in reinem, rechtschasfenem Streben hingeben. Es wird aber zum סטא המותא, zum Gift in der Hand derer, die es nur zu selbstsüchtigen Zwecken benützen, die das Heiligste und Reinste herabziehen und cs in unlautcrm Sinne, mit unlautern Händen erfassen und verwerthen. » Von dem Augenblicke an, in welchem dasBewußsein von dem Menschen-Rechte und der Menschen-Würde in der Brust der Volker erwach te, von dem Angenblick an haden dieMcnschen und Völker nur die Wahl: entwederstch diesem Rechte, diesen PrincipiendcrFreiheit und Gleichheit mit aufrichtige mH erzen hin zu gebe »;dann wird das Recht und die daraus entspringende Freiheit und Gleichheit eine Quelle des Segens und des Heils; oder, wenn sie es bekämpfen zu können vermeinen, oder vermeinen es mit unlautern Händen für ihre unlautern Zwecke verwerthen zu können, so gehen sie an diesem Rechte und seinen Consequenzen zu Grunde. Das misbrauchte Recht setzt die Gewalt, die misbrauchte Freiheit die Tyrannei zu ihrem Rächer. Darin zeigt sich eben die göttliche Allmacht des gotlgesandten Wahren, daß es über Menschen und Völker, Hütten und Paläste zertrümmernd dahinschreitet, bis es in seiner Reinheit und Glorie begriffen und ihm in Aufrichtigkeit gehuldigt wird. Das hat die Geschichte seit dreiviertel Jahrhunderten gelehrt,