Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 2 (November 1863)
- Article
- Worte, am 18. Oktober 1863 in der Synagoge der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. gesprochen
- Date
- 1863-11-01
- Page
- 46 (sequence 6)
- Language
- German
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^6 Worte am 18. Oktober 1863 ir. gesprochen Jene denkwürdige Nacht auf Frankreichs Boden wirkt noch in weiten, weiten Kreisen fort Allein fürs Erste war sie nur Eine Nacht. Es war nicht das Bewußtsein der Gesammtheit, das sich in ihr aussprach. Es war nur das Bewußtsein weniger Edeln, die, indem sie ihre eigenen Vortheile nnd Vorrechte dem göttlichen Rechte zum Opfer -rächten, eben damit die Lauterkeit der Gesinnung bekündeten, mit welcher sie dem Rechte huldigten. Damit ward zuerst dem Rechte eine Pforte geöffnet. פתחו לי שערי צדק אבוא■ בם אודה י׳• Wo dem Rechte eine Pforte geöffnet wird, da ha-cn wir die göttliche Allmacht zu gewahren und dem allmächtigen Gott zu danken. זה השער לד' צדיקים יבאו בו. Jede Pforte, die dem Rechte geöffnet wird, ist eine Pforte für Gott; aber nur Gerechte gehen in sie ein. Wer daö Recht genießen will, — der muß es auch gegen sich anerkennen. Wer die Früchte des Rechts pflücken will, der muß für das Recht zu opfern bereit sein. Dem Recht huldigen, heißt nicht sein Recht fordern, heißt das Recht jedes Andern anerkennen, mit Aufopsernnz anerkennen, und diesem Rechte, wenn cs sein muh, sein ganzes Glück, sein ganzes Vermögen hingeben. Nur wer also dem Rechte huldigt, der darf einzichcn in die Pforte des Rechts. צדיקים יבאו בו. Auf fränkischem Boden fand aber dieses Recht משמאילים. Es fand ein Volk, das nicht reif war für dies Recht, und cs fand משמאילים, die das Edelste und Göttlichste mißbrauchten, uni den Etgenutz, die Ehrsucht und die wildeste Leidenschaft zu -efriedigrir, und unter der entweihten Fahne des Rechts und der Freiheit das Volk mit Hineinrissen in den ungezügelten Taumel des Verbrechens nnd der Gewalt. Aber auch außer dem fränkischen Boden fand dieses Recht keine Huldigung. Wenn die damaligen Völker und Fürsten in Europa bereits reif gewesen wären für dieses Recht, wenn eben nicht alles Göttliche erst sich die Menschen erkämpfen müßte für seine Huldigung, wenn damals Völker und Fürsten reif gewesen wären für die Huldigung dieses Rechts und im Sinne dieser Huldigung gehandelt hätten, sie hätten der Weltgeschichte ein halbes Jahrhundert voll Thränen und Jammer erspart. Wären die Fürsten reif gewesen vor dreiviertel Jahrhunderten für dieses Prtncip des Rechts, sie hätten in jenem Ereigniß, das die ältesten Throne umstürzte und