Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-10-01
- Page
- 19 (sequence 6)
- Language
- German
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Von S . . . 19 ehrer. Ihrem Versprechen gemäß vermied es Frau Werner, auf Spaziergängen mit ihm zusammen zu treffen, aber das Liebcsverhältniß des Grafen H. und der schönen Werner war schon Stadtgespräch. — Was Frau Werner sich eigentlich dachte, als sie dieses so hoch begünstigte, wäre schwer zu sagen- Hoffte sie in der That des Grafen Schwiegermutter zu werden? — Aber selbst wenn sie an seinen ersthaften Ansichten nicht gezweifelt hätte, so kannte sie doch Werner viel zu gut, als daß sie denken konnte, er werde je seine Einwilligung zu einer Verbindung seiner Tochter mit einem - Nichtjuden geben. Aber es schmeichelte ihrer mütterlichen Eitelkeit allzusehr, ihre Tochter von einem Grafen, einem Königssohn, wie sie ihn so gern nannte, bewundert, von ihm, dem die höchsten Kreise offen, sie allen andern vorgezogen zu sehen. Das Verhältniß der jungen Leute zu einander ward ein immer innigeres, sie lebten nur für einander und schienen der Welt ganz entrückt. Graf H. zählte die Stunden, die er fern von Aurelien weilen mußte, und diese erwiederte seine innige Liebe mit der ganzen Gluth eines erst erwachenden Herzens. Was daraus werden sollte? Anrelte dachte nicht darüber, für sie gab es weder Vergangenheit noch Zukunft, sie kannte nur die Gegenwart, sie lebte nur in ihrer Liebe. So vergingen mehrere Wochen. Werner hatte seine Geschäfte in der Ferne beendet und befand sich auf dem. Heimwege. Eben war man an einer Station angelangt, die Condukteure riefen ״zwanzig Minuten Aufenthalt!" und alles eilte in die nahegelegene Nestauration. Auch Werner hatte sich an einem Tische daselbst niedergelassen und einige Erfrischungen bestellt. Nicht wett von ihm saßen einige Officiere und unterhielten sich sehr lebhaft. ״Also Sie haben sich eine Zeit lang in B... aufgehaltcn", wandte sich einer von ihnen zu einem vornehmgckletdeten Herren in ihrer Nähe, ״nun da müssen Sie uns auch recht viel von unseren dortigen Freunden erzählen. Was macht Baron B., Graf K., Lieutenant I., Gras H. und alle klebrigen?" ״Alle wohl, Alle frisch und munter", erwiederte der Angerebete, ״und Alle hätten mir gewiß die herzlichsten Grüße für Sic ausgctragen, wenn sie gewußt, daß mir das Glück zu Thetl würde, Sie hier zu treffen. Doch a propos von dem zuletzgenannte» wüßte ich gerade nicht, ob er mir Grüße für Sie aufgetragen hatte, der 2*