Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-10-01
- Page
- 16 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Aus der Gegenwart. II. fielen. ״Nun Väterchen, nun ist's auch hier nicht schön? sieh nur wie die Bäume sich im Wasser spiegeln und die Venus die dort durch die Bäume blinkt und auch der Mond ist schon da, um im Bade sich zu schaukeln." ״Genug, genug", rief der Alte, ״das wird mir zu romantisch, und überhaupt weißt du's ja, ich habe für Naturschvnhetten keinen Sinn." ״Du verleumdest Dich selbst Vater; Du —" ״Erlauben Sie mir, mein Fräulein, Ihnen diese Blumen zu überreichen, die soeben Ihren Händen entfallen," sprach eine sanfte männliche Stimme. Rasch wandte sie sich um; ein junger vornehmaussehender Mann stand vor ihr, ihr verlorenes Sträußchen ihr darbietend; er hatte vorhin ihrem Tische am nächsten gesessen. Aurelie verneigte sich flüchtig dankend, aber ihre Wangen färbten sich hoher unter der Gluth der Blicke, die den ihren begegneten. Der junge Mann entfernte sich höflich grüßend. Dem Alten ward's noch nnbehaglicher. ״Es ist Zeit liebes Kind, uns aus den Heimweg zu machen; dort kommen auch schon Deine Mutter und Deine Freunbinnen." Er reichte der ältlichen Dame den Arm. Die jungen Mädchen gingen voraus und waren bald in lebhafter Unterhaltung vertieft. Die Eltern folgten schweigend. ״Was hat denn Graf H... mit unserer Tochter gesprochen, Werner?" begann endlich seine Gattin. ״Gesprochen hat er wohl eigentlich gar nichts", entgegnete Werner unmuthig," sie hatte, wie ich glaube, Blumen verloren und er sie gefunden; aber woher kennst Du denn seinen Namen?" ״Nun, weil ich mich nach ihm erkundigt habe; er ist ein sehr reicher vornehmer Herr; man sagt sogar er sei der natürliche Sohn des Königs von — —״ fuhr Sie fort, ״dem habe tch's längst angemerkt, der ist ganz verliebt in unsere Aurelie, und ich weiß gewiß, daß er nur um ihretwillen täglich hierher kommt." ״Das weißt Du" , rief Werner fast laut und blieb stehen, ״das weißt Du und führst sie täglich hierher? Aber um des Himmcls willenwas beabsichtigst Du denn, willst Du Deine Tochter unglücklich machen?" ״Unglücklich? muß sie darum unglücklich werden, weil ein vornehmer Herr sie bewundert , und sollte es mich als Mutter nicht