Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-10-01
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S . . . 15 starker Zuspruch und fast alle Tische auf dem freien Platze vor der niedlichen Hütte waren besetzt. Eine Gruppe zog vorzüglich die Ausmerksamkeit aller Anwesenden auf sich. Es war ein Herr und eine Dame in schon vorgerückteren Jahren, denen gegenüber drei anffallend schöne Mädchen sich befanden. Im ersten Augenblicke konnte man in Zweifel sein, welcher von ihnen der Vorrang gebühre; doch nach kurzem Anschancn würde man ihn unzweifelhaft der Mittleren zucrkannt haben. Ihre Züge trugen das Gepräge einer wahrhaft klassischen Schönheit, doch ließ der zarte durchsichtige Teint, die grvßcn blauen Augen eher auf eine Blondine schließen; aber die Haare, die in reichen Locken unter dem rnnden Strohhut hervorquollen, warcn vom glänzendsten Schwarz, und wenn diese hohe junonische Gestatt sich aufrichtete, mochte man cs der Mutter vielleicht verzeihen, daß sie sie gewöhnlich ihre Prinzessin nannte. Aber das junge Mädchen schien an nichts weniger als an ihre Schönheit zu denken, und hatte keine Ahnung davon, daß sic der Gegenstand aller Blicke war; munter mit den Freundinnen plaudernd saß sie unbefangen da. ״Jst's nicht hier ein herrliches Plätzchen Amalie" wandte sic sich an die Eine ״und findest du es »och so ausfallend, daß meine Mutter es zum Ziel ihrer täglichen Promenaden erwählt?" ״Schön ist's allerdings hier, aber wo wäre es in B... nicht schön? Für mich hätte das Sennhüttchen nicht besonders anziehendes." ״Es scheint aber doch auch außer uns Manche zu geben , die dieser Ansicht nicht sind" erwiderte Aurelie, ״ich habe schon bemerkt, daß das Sennhüttchen von Mehreren täglich besucht wird." ״Wirklich? nun das könnte vielleicht verschiedenartige Gründe haben" entgegnete Amalie und ein ctgenthümliches Lächeln umspielte ihre Lippen. Dem alten Herrn , ihr gegenüber schien dieses Lächeln sehr zu mißfallen. ״Sie haben sehr Recht Fränlen Amalie, auch mir gefällt es hier nicht .sonderlich." , ״Wirklich nicht, Vater?" ries Aurelie aufspringend," aberden schönsten Punkt hast du auch noch gar nicht gesehen; komm laß mich dir ihn zeigen." Und ohne ein Wort abzuwarten, nahm sie den Arm ihres Vaters und zog ihn mit sich fort Pi einem Bassin , das etwas abgelegen seitwärts sich, befand, und in dessen Mitte eine Sphinx Wasserstrahlen in die Höhe sendete, die plätschernd zurück