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Jeschurun · 1863-05-01 · Heft 8 (Mai 1863) · p. 359

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 8 (Mai 1863)
Article
Pädagogische Plaudereien
Date
1863-05-01
Page
359 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Pädagogische Plaudereien. 359 wohl sagen,׳ tu einem . Grade Gemeingut der jüdischen Nation in allen ihren Schichten gewesen, der unter keiner Nation weder des Alterthums noch der Neuzeit seines Gleichen hat, und vor einem gerechten Beurtheiler der Völkererscheinungen das jüdische Volk mit dem ewigen Ruhme der geistigsten, somit des menschlichsten Volks krönt! Nicht Orden, nicht Ehrenstellen, nicht Anstellungen, nicht Lohn und Gewinnst winkte der jüdischen Wissenschaft, kein materieller Lebenszweck hatte aus ihr sein Rüstzeug, oder auch nur das Rüstzeug zum Rüstzeug zu holen, und bis zum Fuhrmann auf dem Kutscherbock, dem Hausirer mit dem Waarenbündel, dem Schuster mit Nadel und Pfriem waren Alle, jeder nach Kraft und Möglichkeit, der jüdischen Wissenschaft Beflissene, nahmen Theil an den geistigen Bestrebungen ihres Volkes, verstanden, genossen und förderten selbstthätig mit die geistige Arbeit ihrer Nation. ״Lernen" — unsere Zeit nennt es studiren — gehörte mit zur Lebenslust des Juden, und machte Wissenschaft und Gelehrsamkeit zum Gesammtanliegen der Gesammtheit in allen ihren Gliedern. Zu welchem Pygmäen, zu welchem holen Schatten schrumpft demgegenüber die Wissenschaftlichkeit einer Zeit zusammen, die Wissenschaft als das Monopol ihres Jahrhunderts verkündet und doch das Ideal des nacktesten Realismus auf das Katheder ihre Welt- Weisheit setzt! Wo sind die Jünger jetzt einer Weisheit, die um ihrer selbst willen Liebe und Pflege erwartet und den Buhlerdienst um ׳klingenden Lohn als ihrer unwürdig verschmäht? Ins Bedlam verweist die Zeit die unpraktischen Thoren! Und doch, jüdischer Vater und jüdische Mutter, und doch, wenn ihr eure Kinder, die Gott euch geschenkt, zu Juden erziehen wollt — mitten in einer Welt, die nur dem Realen dient und der real nur gilt, was mit materiellen Gütern das Leben bereichert und genußvoll macht, müßt ihr mit doppelter Sorge eure Kinder für die reine Lust am Wissen, für die geistige Freude an Erkenntniß erziehen; denn aus dem Quell der jüdischen Weisheit müßt ihr sic den geistigen Trunk ihrer ganzen Lebenszukunft trinken, mit Begierde, mit Begeisterung trinken lehren, oder die Absicht, eure Kinder für das Judenthum zu erziehen, zu erhalten, wird euch nimmer gelingen. Unsere Väter, unsere Großväter konnten im schlimmsten Falle noch der Macht anerziehender Gewöhnung allein vertrauen und -durch Beispiel 23*

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