Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 6 (März 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-03-01
- Page
- 271 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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271 ...v . Von S-.. bette sie langsam, bas Billet einsteckenb, ״in bet frischen Luft wirb mit besser werben —" unb beide machten sich auf ben>.Weg. 3. Die Commetzientäthin Beet wat eine geistig hochbegabte Dame, tht schmales, blasses Antlitz zeigte noch Sputen ehemaliger Schönheit, ihte langjährige Kränklichkeit hatte sie frühzeitig gealtert Diese abet hatte alle Hanbatbeit für sie zut Ansttengung gemacht unb sie hietburch auf eine rein geistige Thätigkeit beschtänkt. Aber bet weibliche Geist ist nicht bazu geeignet, in stetet Thätigkeit zu sein, er ist zu zart unb nut selten erträgt er ganz ungestraft ein Denken übet nut höhere Fragen. So wie bet Luftschiffet bes Ballasts bedarf, um nicht zu rasch in bie obere Atmosphäre zu gelangen, so bebarf auch bet weibliche Geist eines gewissen Ballasts, um nicht, wie man bas im gewöhnlichen Leben nennt, ein wenig überspannt zu werben. Die Frau Commetzientäthin Beet konnte man nun allerdings nicht gerabezu überspannt nennen, aber von ihrem Kanapee aus hatte sie sich Lebensanschauungen gebilbet, Anschauungen übet die Bestimmung bes Menschen, die man auch nicht gerade praktisch nennen konnte. Arthur von Lilienfeld Wat bet Sohn einer ihrer liebsten Jugenbfreunbinnen und hatte ihr bei seiner Ankunft in B. die letzten Liebeswotte seiner sterbenden Mutter überbracht. Mit wehmüthtger Freude gestattete sie dem Trauernden den Zutritt in ihren Kreis, bet aber in Arabellen's heiterer Gesellschaft gar bald seine eigene Munterkeit wieder fand. Er warb ein täglicher Gast im Hanse des Commerzienrathes, unb die ganze Stabt sprach von der Eroberung der schönen Bella. Wiederholt versuchte Arthur ihr seine Gefühle zu erklären, aber Arabellen's Unbefangenheit schien ihn nicht verstehen zu wollen. Halb entmuthigt wandte er sich endlich an die Eltern unb bat sie um die Hand ihrer Tochter. Mit würdevoller Ruhe, jedoch innerem Entzücken nahm der Commerzienrath den Antrag entgegen. Noch vor wenigen Jahren in de» glänzendsten Verhältnissen, hatte er durch rasch aufeinander folgende aber unverschuldete Verluste den größten Theil seines Vermögens eingebüht. In der öffentlichen Achtung hatte er zwar hier-