Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 6 (März 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-03-01
- Page
- 272 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Gegenwart. 272 durch nichts verloren und er tvar auch noch immer vermögend zu nennen, doch auf eine so glänzende Verbindung seiner Tochter hatte er nicht mehr zu rechnen gewagt, denn der junge Lilienfeld war durch den Tod seines Oheims der Chef eines der angesehensten Banquierhäuscr geworden und sein Retchthum unermeßlich. Der Vater gab sein Wort, vorausgesetzt daß die Tochter einverstanden sei, und die (SommcrjfenrÄtty{«: fällig vor, diese sogleich zu befragen. Arthur aber bat, ihr Bedenkzeit zu lassen und ersüchte um die Erlaubniß, am andern Tage sich Antwort holen zu dürfen. Eben wollte er sich entfernen, dä fuhr dem'Commerzienrath ein Gedanke durch deu Kops, er schlug sich mit der Hand vor die Stirne. ״Herr von Lilienfeld, es schmerzt mich unendlich, aber ich fürchte, meine Zusage zurücknehmen zu müssen." ״Zurückuehmen?" rief Arthur erblassend. - ,,Die Verschiedenheit unserer religiösen Anschauungen ■—" ״Bester Herr Commerzienrath, Sie begreifen meine Gefühle für Ihre Tochter nicht, da Sie eine solche Kleinigkeit als Hinderniß ansehcn können." ״Kleinigkeit! Nie könnte' ich zugeben, daß meine Tochter unsere heilige Religion verletzt." ״Aber warum sollte sie denn das; ich halte es mit dem alten Fritz: Jeder mag nach seiner Fatzon selig werden. Und warum sollte ich denn meine Frau in Dem hindern, worin sie ihre Seligkeit findet?" ״Sie würden mir demnach auf's Heiligste versprechen, meine : Tochter nie in Ausübung unserer Heiligen Gebote stören zu wollen?" Arthur legte die Hand auf's Herz; ״ich schwöre es Ihnen. Zu ganz Anderem würde ich mich verpflichten, wenn Bella es von mir forderte." Er reichte den Eltern die Hand, die diese herzlich drückten, und mit den glücklichsten Hoffnungen im Herzen entfernte er sich. Sobald die Eltern sich allein befanden, hielten sie ihre Freude aiicht länger zurück. ״Und wie Du immer bangtest für die Zukunft unserer Bella, weil wir glaubten, sie müsse viel bescheidener sein als wir es früher für sie erwartet." ״Das ist der Lohn für Deinen Muth und Deine Rechtschaffen-! heit im Unglück," entgegnete die Cömmerzienräthin; ״der Himmel