Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 6 (März 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-03-01
- Page
- 270 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Aus der Gegenwart. ilch Dich mitzubringen. Sie fühlte sich ein wenig matt, sonst wäre ich nicht allein gekommen." ״Mama ist doch nicht ernstlich unwohl 3" fragte Arabella ängstlich. ״Durchaus nicht, Du kannst ganz unbesorgt sein; aber willst Du mich nicht begleiten3" ״Gern, Papa, gern, aber ich bin noch im Negligee, wenn Du mich entschuldigen wolltest, in fünf Minuten Ware ich wieder hier." ״Ich gestatte Dir zehn, ich habe Zeit und Mama ist sehr geduldig." Aber Arabella war cs nicht mehr, seit sie von dem Unwohlsein ihrer Mutter gehört hatte. Rasch beendete sie ihre Toilette und che noch die ihr gegönnte Frist verstrichen war, stand sie wieder vor ihrem Vater. ״Ei Mädchen, wie Du Dich tummeln kannst, das hätte ich mir wirklich nicht gedacht." ״Wollen wir gehen, Väterchen 3" Sie reichte ihm den eleganjen Pelz und half ihn sorgsam darin einhüllen. Frau von Lilienselb wollte eben dem eintretenden Diener den Auftrag ertheilen, ihren Gatten bet seiner Heimkehr von ihrem Besuche bet ihren Eltern in Kcnntniß zu setzen, als dieser ihr ein versiegeltes Billet überreichte, das ein Diener des Herrn von B. so eben gebracht. Sie ließ es von einem ihrer nichtjüdischen Dienstleute öffnen und las folgende Zeilen: ״Liebes Herz! Eine Gefälligkeit, die ich meineu Freunden nicht gut verweigern kann, macht es mir unmöglich, meinem Versprechen gemäß in einer halben Stunde wieder bei meincm thcnren Weibchen zu sein. Da ich nun die leicht erregbare Besorgniß meiner kleinen Bella kenne, so thetle ich Dir mit, daß aus der halben leicht drei oder vier Stunden werden können. Wolltest Du daher vielleicht den lieben Vater nach Hause begleiten, so kannst Du sicher darauf rechnen, daß ich auf meinem Heimwege bei den lieben Eltern vorsprechen werde. Es umarmt und küßt Dich herzinniglich Dein treuer Arthur." Ein unnennbares Weh durchzuckte ihr Herz und machte ihre Wangen erbleichen. ״Um des Himmels Willen, was ist Dir, Kind 3" rief der Commerzienrath erschrocken. ״Nichts, nichts, Papa, ein unbedeutender Kopfschmerz," erwie-