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Jeschurun · 1863-03-01 · Heft 6 (März 1863) · p. 263

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 6 (März 1863)
Article
Aus der Gegenwart
Date
1863-03-01
Page
263 (sequence 4)
Language
German
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Von e, 26? ״Sie bedauern sie? Sie scheint sich recht glücklich zu fühlen." ״Glücklich wohl für den Augenblick. Der junge Lilienfeld nimmt eine glänzende Stellung in der Gesellschaft ein, er kann seine Gattin in die ersten Eickel führen, ist reich, unabhängig, von Adel und dabei eine höchst liebenswürdige Persönlichkeit; welches junge Mädchen sollte sich daher an seiner Seite nicht glücklich fühlen? Aber wenn sie Ihrer Beschreibung gleicht, welche Mutterfreuden können ihrer warten? Es wäre freilich, ich mochte sagen, unnatürlich, ollte ein junges Mädchen an ihre einstige Nachkommenschaft denken, aber um so mehr ist es doch Pflicht ihrer Eltern, hierauf Bedacht zu nehmen." Der Banquier blickte ihn befremdet an. ״Es wundert Sie dergleichen aus meinem Munde zu vernehmen?" ״Allerdings, denn ich kenne Sie." ״Sie kennen mich wohl schon seit mehreren Jahren, aber die Geschichte meiner Kinderjahre dürfte ihnen unbekannt sein. Wenn es sie interessirt, soll sie Ihnen das Räthsel lösen." ״Bitte außerordentlich." ״Sehr freundlich, und um ihr freundliches Interesse zu belohnen, werde ich mich recht kurz fassen." Die Herren zündeten von Neuem die Cigarren an und der Arzt begann: ״Sehr frühzeitig verlor ich meine beiden Eltern, ich hatte mein sechstes Jahr kaum zurückgelegt, da starb mein Vater, und Wenige Monate darauf folgte ihm meine Mutter; aber meine schönsten, heiligsten Erinnerungen sind in diesen frühesten Jahren enthalten. Die würdevolle Erscheinung meines Vaters, das liebliche Bild meiner Mutter, lieblich trotz der falschen Haare, die ihre eigenen schönen kastanienbraunen Flechten bedeckten, denn meine Eltern waren sehr religiös, von manchem jugendlichen Fehltritt haben sie mich zurückgehalten. Wenn am Freitag Abende meine Mutter die beiden Lampen angezündet hatte und unser freundliches Stübchen in Hellem'Glanze strahlte — wenn dann der Vater ans der Synagoge!heimkehrte, und frei von Sorgen und Geschäftsgedanken mit ganz! anderem Ausdruck als sonst uns entgegenlächelte; wenn er zuerst die! Hände segnend auf mein Haupt legte, dann die eine um meine! Mutter schlang und mtt der andern mich auf seine Knie hob, — da! glaubte ich, in des Königs Pallast könnte es nicht wonniger sein als!l 17*

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