Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1863-02-01 · Heft 5 (Februar 1863) · p. 229

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 5 (Februar 1863)
Article
Drei Jahre in Amerika [Rezension]
Date
1863-02-01
Page
229 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2932754-2932919-2932925-2947607--08037-2947693
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Von A. I. Benjamin II. 229! städtischen und staatlichen Aemtern fungirten Juden, sondern auch im i Congresse, sowohl im Repräsentantenhaus, wie im Senat. Eigenj thümlich ist es, daß die südlichen Staaten an Liberalität gegen die Juden die nördlichen übertreffen. Der Verfasser findet den Grund hiefür darin, weil der Weiße fich dem Neger gegenüber inniger dem Weißen anschließt, und der Jude in den Südstaaten nicht die niederen Arbeiten verrichtete, denen der Neger unterzogen ist; — so wurde der Jude früh unter die bessere Klasse ausgenommen und \ schwang sich leicht zur politischen Höhe. Daher kommt cs, daß bisher nur der Süden Juden in den Senat geschickt hat, — Andrerseits muß aber betrachtet werden, daß die Israeliten int Norden sich weniger um politische Stellen bewerben, weil dort die Stellung deS Beamten weder so hoch geachtet, noch so einträglich ist, wie die des Kaufmanns. So siedelten sich überall im ganzen gesegneten Lande Juden an und die Beschwerlichkeit, das jüdische Gesetz in dieser Zerstreuung und vereinzelten Anstedlung zu erfüllen, entfremdete sie dem väterlichen Heiligthum; jedoch das Bewußtsein Jude zu sein, verließ sie nicht. Auf Peßach verschaffte man sich aus den Städten, wo es möglich war, mit großen Kosten Mazoth, neben welchen aber die gewohnliche Kost verzehrt wurde. Wurde ein Knabe geboren, so verschrieb mau mit großen Auslagen einen Mohel oder brachte das Kind erst nach mehreren Monaten in die Stadt. Dieses Leben übte und übt noch immer einen nachtheiligen Einfluß aus; — die Liebe zum Judenthum wurzelte aber zu tief, war zu innig mit ihrer ganzen Denkweise verwachsen, als daß sie leichtsinnig dem angestammlen Glauben ganz den Rücken kehren konnten. Die ersten Brodsorgen waren überstnnden, die Zahl der Ansiedler mehrte sich an allen Orten nnd der Drang, dem jüdischen Leben um der Kinder willen, nicht ganz entfremdet zu werden, sprach sich immer lebhafter aus. — Es starb ein Jude; die Versendung der Leiche war öfters zu beschwerlich und kostspielig; man wollte auch die lieben Freunde oder Angehörigen in der Nähe wissen. Die Gefahr des Todes stand Jedem vor Augen; und da der Boden sehr billig war, trat man zusammen nnd kaufte ein Stück Land zum j Begräbnißplatz. So hatte man als Juden etwas Gemeinsames ge- ׳ schaffen. Die Liebe zum jüdischen Gesetze erwachte; man discutirte 1 15»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.