Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1863)
- Article
- Drei Jahre in Amerika [Rezension]
- Date
- 1863-02-01
- Page
- 228 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Drei Jahre «n Amerika 1859-1862. wurde die jüdische Einwanderung sehr bedeutend. Bayern, das mit seinem erst in der jüngsten Zeit aufgehobenen Pharaonischen Matrikelgesetze und sonstigen Beschränkungen in der Reihe der intoleranten Staaten obenan stand, und den Juden die Heirath und bürgerliche Ansässigmachung fast unmöglich gemacht hatte, stellte das erste und seitdem auch das bedeutendste Contingent. Zunächst waren es unbemittelte Handwerker, ohne Weltkenntniß und besondere Bildung, die nach Amerika auswanderten. Sie hatten beinahe Nichts, als frohen Muth, gesunden Menschenverstand, Gottvertraucn und unermüdlichen Fleiß. Vortheilhaft vor Anderen zeichneten sie die den Juden eigeuthümliche Sparsamkeit und Nüchternheit aus. Alle diese Eigenschaften wiegen in Amerika, wo der Credit leicht zu erwerben ist, ein Capital auf. Früher ««gekommene Glaubensgenossen helfen den späteren. Man erhielt einen kleinen Waarenvorrath und ging ins Land zu ״peddlen" d. h. zu hausiren. Der jüdische Einwanderer ergriff voller Eifer diesen Geschäftsbetrieb; kein deutscher Gensd'arm verbitterte ihm in jedem Kreuzwege das Leben. Der Verdienst mehrte die Lust; die auf Borg genommenen Maaren wurden bezahlt, ein größeres Waarenbündel wieder ausgenommen. Der Credit steigerte sich mit der bewiesenen Redlichkeit; ebenso der Verdienst. Bald wurden Wagen und Pferd zum Geschäftsbetrieb angeschafft. Zum Zeichen eines glücklichen Anfangs und als Liebesgruß übersandte man Unterstützungssummen den alten, armen Eltern in der Hetmath; andere Gelder begleiteten diese Summen, um die Ueberfahrtskosten für liebe Freunde zu bestreiten. Diese ankommenden Briefe und Gelder waren die Missionsschrtften der Freiheit, und die Einwanderung wuchs in einem unglaublichen Verhältnisse. Bald hatte der Name des ״deutschen Juden" in der amerikanischen Geschäftswelt einen guten Klang. Credit und Gewinn mehrten sich, und in wenigen Jahre» waren die armen jüdischen Einwanderer geachtete und wohlhabende Kauffeute im neuen Vaterlande. Tausende von großen blühenden Geschäften in allen Orten der Union zeugen von dem Wohlstände, den die Juden in dem Zeitraum eines Viertel-Jahr- Hunderts errungen. Mit dieser raschen commcrctellen Entwickelung hielt die politische Stellung der Juden gleichen Schritt. Jedes Amt steht jedem offen, ohne Unterschied der Religion und Geburt. Nicht nur in