Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1863)
- Article
- Die Juden in der europäischen Türkei und den angrenzenden Ländern
- Date
- 1863-02-01
- Page
- 223 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932919-2932925-2947606--08030-2947687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
223 und den angrenzenden Ländern. ׳■ barischer wurde, so hatten einzelne Gemeinden viel von dem Fanatismus der Bevölkerung und noch mehr von der Habgier der Pafcha's und ihrer Beamten zu erdulden da zu oft die Macht und zuweilen auch der Wille fehlte mit der Ccntralregierung zusammen zu stoßen. Die Sultane selbst ergriffen öfters Maßregeln, wenn es galt den erschöpften Staatsschatz wieder zu füllen. Gar manchem Juden brachte fein Rcichthum den Ruin. Raub war die Belohnung seines Fleißes und feiner gelungenen merkantilischen Spekulationen. Man wandte das in den langen Jahren des Verfalls der ottomanischcn Herrschaft als Finanzmaßregel an, da der Tod des Crösus die Cvnfiscation seiner Schätze zur Folge hatte. Noch unter der Regierung des Daters des jetzigen Sultans griff man zu diesem Mittel um den Monarchen aus Geldverlegenheiten zu befreien. Der reiche und wohlthätige Carmona, der Rothschild von Constantinopel, fiel 1827 den -Bedürfnissen Mohameds II. zum Opfer. Das war bevor die Janitscharenmaffacre ihn von dem unerträglichen Joche seiner aufrührerischen Soldateska befreit hatte. Es kamen wohl lokale Ausbrüche des Fanatismus ohne Willen der Pforte vor, aber keine allgemeine Verfolgung oder Verjagung, wie so. oft in christlichen Staaten zu gleicher Zeit. So fuhren die Juden, einen Staat im Staate bildend, fort sich in den ottomantsche» Besitzungen zu behaupten, und noch dazu an Zahl znzunehmcn, bis in unfern Tagen die Türket den Weg des Fortschritts zu betreten begann. Obgleich aber jetzt die aus Spanten Vertriebenen eine neue Hetmath gefunden hatten, war gleichwohl der Boden, auf welchen sie verpflanzt worden, augenscheinlich ihrer geistigen Entwickelung nicht günstig. So lange die Generation der Eingewanderten und deren unmittelbare Nachkommen lebten, blieben die geistige Thätigkeit und die höhern Bestrebungen, welche die sephardischen Juden auf spantschein Boden charakteristrte, noch Eigenthum ihrer Abkömmlinge. Allein als diese gestorben! waren wurden Zeichen des Verfalls sichtbar, die von Generation, zu Generation znnahmen. Die Drukkeretenzu Constantinopel standen still, die-Talmudfchulen verstummten eine nach der andern, und selbst die kabbalistische Literatur, die im 7. Jahrhundert der geistigen-Bewegung unter Anführung von Sabbathai Zebi, dem falschen Messias den Anstoß gegeben hatte, artete in leblose abergläubische Formen ans. Auch war