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Jeschurun · 1863-02-01 · Heft 5 (Februar 1863) · p. 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 5 (Februar 1863)
Article
Schewat
Date
1863-02-01
Page
214 (sequence 20)
Language
German
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214 Schewat. daß Opfer nichts als der höchste und vollendetste Ausdruck des Ge- Petes sei. Endlich übersieht ja diese Täuschungstheorie von einer angebltch durch die Propheten gebrachten Reform des mosaischen Judenthums eine Kleinigkeit, übersieht, daß ganz in demselben Zuge nicht nur über Opfer, sondern ebenso über Neumond und Sabbath und Festfeier, ja auch über das Gebet, somit ja über alle die ״religiösen" Institutionen der Stab gebrochen wird, die nicht schon an sich die ethische und praktische Erfüllung unserer Pflicht enthalten, sondern eben nur zu dieser Erfüllung führe n sollen. Sie alle können durch Mißbrauch in ihr Gegentheil verwandelt werden. Sie alle, nicht als Mittel, — was sie sein sollen, — sondern als Zweck, — was sie nicht sein sollen, — begriffen und geübt, werden ein Tod jeder sittlichen Pflichttreue des Lebens, indem sie sich an dessen Stelle setzen und mit Opfer, Feier und Gebet allein wieder gut machen wollen, was im Leben verbrochen worden und nur zunächst im Leben und mit dem Leben wieder gesühnt werden kann. Und nicht nur sie, ein jedes göttliche Gebot, z. B. Almosen, willkürlich als stellvertretendes Ersatzmittel für andere vernachlässigte Pflichten und andere geübte Vergehen und Verbrechen herausgegriffen und geübt, wird zum Tode für alle übrigen Aufgaben unserer Pflicht. Nur חורה חמימה, nur das Gottesgesetz in seiner Gesammtheit bringt Leben. Da steht dann jedes Pflichtgebot in eigener Dignität, findet mit Nichten stellvertretenden Ersatz in Uebung irgend welchen Nachbargcbotes; jedes findet nur in eigener Erfüllung sein Genüge und in dieser Weihe des ganzen Lebens zu einem fortdauernden Gottesdienst finden jene Institutionen der Opfer, der Feste und des Gebetes ihre hohe, nimmer abrogtrte und nimmer zu abrogtrende Bedeutung, indem sie eben unsere fortdauernde Erziehung zu einem ganzen in Pflichttreue Gott dienenden Leben bewirken und vollenden. Unsere Reform-Prädikanten mit den Büchern der Propheten in der Hand sehen seltsamer Weise nicht, daß, wenn sie nun auf dem Wege ihrer Reform die ganze von dem göttlichen Gesetze geforderte Pflichttreue des jüdischen Lebens aus dem Leben hinausreformiren und das ganze jüdische Leben in ein Paar innerhalb der Tempel andächtig verlebte Sabbath-Mtnuten ausgehen, und Synagoge und

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