Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1863)
- Article
- Schewat
- Date
- 1863-02-01
- Page
- 207 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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ZesaiaS und seine Welt. V. 207 Minorität bildete, ohne Einfluß auf den Gang der staatlichen Ereignisse blieb, tritt in der uns von den Propheten aufbewahrten Geschichte darum wenig sichtbar hervor, und erklärt doch allein die sonst räthsclhafte Geschichte des jüdischen Volkes, ja erklärt allein das sonst räthselhaft bleibende Erscheinen der Propheten selbst. Die uns von den Propheten überkommenen geschichtlichen Urkunden sind nur eine Geschichte des Verfalls, des Untergangs des jüdischen Staates, sie kündigen sich selbst als solche an und wollen fast ausschließlich den spätern Geschlechtern die Ursachen dieses Verfalles lind Unterganges erklären. Sie sind daher, zumal in' den Büchern der Könige, vorzugsweise Dynasten-Geschichten; denn eben von oben herab ging das Beispiel der Entartung aus und eben die Leiter des Staates führten den Staat seinem Untergange jählings entgegen. Von dem Leben des Volkes erfahren wir in allen diesen Jahrhunderten wenig. Wäre aber das ganze Volk ausnahmlos von der sittlichen Fäulniß ergriffen gewesen, wie erklärte es sich z. B. daß der staatliche Zusammensturz und nur ein 70jähriges Exil genügte, um das Heidenthum auf immer aus Israel zu bannen, in Babylon Gesctzeskunde und Gesetzestrcue aufblühen zu iasscn, und selbst die aus dem Exil heimkehrende Hefe des Volkes zu einer opferfreudigen Gesetzestreue zu sammeln! Ja, wie ließe sich sonst das Erscheinen einer so glänzendcn und, nicht nur im jüdischen Kreise, im Kreise der Menschen ner des Geistes hervorwuchsen! Denn, wie uns die Weisheit der Weisen lehrt, der Gottesgeist stellt den Propheten nicht wie ein Wunder hin, daß es gestern einfältige Schafhirten, Leinweber und Augler gewesen und diese nun plötzlich heute als die erleuchteten Män- -ner des Gottesgeistes dastünden! Im jüdischen Kreise zeihetc sie! vielmehr eben diese ihre Vergangenheit als Betrogene oder Betrüger, oder als Betrogene und Betrüger zugleich. Nicht die Einfalt r und die Beschränktheit erwählt sich der Gottech-Geist als Herold seines Wortes. Wer heute ei» Prophet, ein Mann GotteS sein soll, jmuß gestern bereits an Weisheit, Charakterstärke uad Unabhängig- |feit über alle seine Zeitgenossen hcrvorgclenchtct haben— אין השכינה ו einzigen Reihe von Männern wie die Propheten mitten ruZeitcn allgemeiner Entartung erklären, wenn diese Entartung buch"-Ei.t:^. allgemein und nicht vielmehr im Volksleben ein bedeutende rHMMnder Kern vorhanden gewesen würe, aus welchem diese Gottcs^Naü-