Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1863)
- Article
- Schewat
- Date
- 1863-02-01
- Page
- 201 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Jesaias und seine Welt V. 201 nennt, der Schlüssel zum Verstäudniß der Gottes-Schrift abhanden gekommen; die Gottes-Schrist ist ihnen ein versiegeltes Buch, sie verstehen sie nicht, sie lesen sie nicht, sie studieren sie nicht, sie lcrnen nichts daraus und schöpfen ihre GeisteS-Erkenntnisse und Gesammt-Auschauungen nicht aus diesem göttlichen Qnell. So bleibt denn das Gottes-Buch nur in Bewahrung bei den Ungelehrten, und auch ihnen geht daraus nicht die Erkenntniß auf; sic öffnen es nicht einmal; denn sie meinen, cs sei nur für die Gelehrten geschrieben, sie seien ja Ungelehrte, seien ja keine Theologen!) So kam es, daß der Geist des Volkes im Ganzen von den jüdischen Elementen undurchdrungen blieb, das Innere nicht für Gott gc- Wonnen war, und darum das Propheten-Wort im Namen Gottes weiter klagen konnte, ״ das. 13: weil dieses Volk nur von Außen sich getrieben fühlte, mit Mund und Lippe mich verehrte, sein Herz aber fern von mir hielt und ihre mir zugewendete Verehrung ein angelerntes Menschen-Gebot ward, darum mache ich dieses Volk noch mehr zu einem Wunder über alle Wunder, an dem die Weisheit seiner Weisen zu Schanden wird und vor dem sich die Einsicht seiner Einsichtigen verkriecht; (d. h. wohl, so mache ich die ganze Existenz dieses Volkes zu einem solchen, aller Berechnung und aller Combtnation der Klugen und Einsichtigen spottenden Wunder, damit endlich an der bloßen Thatsache der Existenz des Juden das jüdische Volksbewußtsein zu Gott erwache.) — Und was war die Folge dieses inner» Mangels an jüdischem Geiste, an jüdischem Bewußtsein, an jüdischer Erkenntniß und Gesinnung? Es waren alle die Aufgaben nicht gelöst, deren Verwirklichung das göttliche Gesetz in Israel bewirken sollte; es war die jüdische Wirklichkeit nach allen Seiten hin das Kehrbild dessen, was sie nach göttlicher Bestimmung zur Anschauung bringen sollte. Als מי (u, Körper, Volkskörper, Volksgesammtheit), als Gesammtetnhcit sollte Israel מי קרוש, ein für das sittliche Gute und nur für das sittliche Gute mit entschiedenster Hingebung bereiter Volkskörper sein. In Israel sollte der Kodex, des Sittengcsetzes nicht nur für das Privatleben gelten, die Staats-Raison aber für sögenannte Staatszwecke vom Sittengesctz entbinden; vielmehr soÜ der jüdische Staat eben nur in der Verwirklichung des Stttengesetzes den ersten Grund und das letzte Ziel seiner Existenz finden; nur um