Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1863)
- Article
- Schewat
- Date
- 1863-02-01
- Page
- 200 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Schmal. in fremder Sprache spräche der zu diesem Volke, der ihnen sagen würde: dies ist ja die Ruhe, schaffet sie doch dem Müden, ja dies ist innere Beruhigung! Sie würden nicht Horen wollen. Vielmehr dünkt sie das Wort Gottes nur ein Gebot nm des andern willen, eine Richtschnur um der andern willen zu sein, Geringfügiges hier, Geringfügiges dort, damit sie in ihrem Wandel strauchelnd zurückschreiten, umgarnt und gehemmt würden! (Das ganze Verstandniß der jüdischen Aufgabe und des hohen Werthes des Gottesgesetzes für das Leben ist ihnen abhanden gekommen. Für eine längst vergangene Zeit der Kinderjahre des jüdischen Volkes, der sie in ihrer Geistes-Rcife längst entwachsen, sehen sie das Gotteswort berechnet. Ja sie läugnen jeden realen, Leben und Heil ׳bedingenden Zweck der Gesetze. Das Gesetz, meinen sie, sei eben nur um des Gesetzeö willen da. Sie sahen darin nichts als תקנות ומרות, jedes Gebot nur da damit ein anderes Gebot erfüllt werde, jedes Verbot nur da nm vor Uebertretung eines andern Verbotes zu schützen, das Eine wie das Andere geringfügig und kleinlich, ohne Werth nnd Bedeutung für die großen, realen Zwecke des Lebens, ja nur da, um dem jüdischen Menschen und dem jüdischen Volke das Leben recht sauer zu machen, jedem Schritt Fußangeln und Hindernisse zu bringen, und zu machen, daß Israel hinter allen Völkern zurückbleibe. Daß Jemand ihnen gegenüber die Behauptung wagen würde, dieses Gesetz enthalte vielmehr das einzige Ziel, in welchem einst die Menschen alle zur Ruhe aus ihren fruchtlosen Kämpfen und Mühen kommen werden, ja, daß eben diese Unterordnung und Gestaltung des ganzen Lebens unter dem Diktate des göttlichen Willens die einzige und höchste Seelenberuhigung dem Menschen gewähren, das dünkt sie Ironie und Hohn, das wäre etwas ganz Unvcrständliches für ihr Ohr, das würden sie gar nicht einmal anhören!) — Es ward euch, heißt es 11 ,29 ״. Die Anschauung des Ganzen wie die Worte eines versiegelten Buches; giebt man das einem Büchcr-Kundigcn und spricht: lies dies doch! so spricht er, ich vermag's nicht, es ist versiegelt! So legt man denn das Buch bet Dem nieder, der überhaupt kein Buch versteht und sagt damit, so lies du dies! Er aber spricht, ich verstehe kein Buch! (Mit jenem jüdischen Grundbcwnßtsein und jener jüdischen Grundgesinnung ist selbst den ״Gelehrten", den ״schauenden Häuptern", wie der Prophet dort sie