Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1863)
- Article
- Schewat
- Date
- 1863-02-01
- Page
- 196 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Schewat. 196 huldigen, gar keine Ahnung von seiner und seines Volkes geistigen und sittlichen Unzulänglichkeit hatte; wie er keine Ahnung von dem Gegensätze hatte, in welchem die Wirklichkeit seines zeitgenössischen Volkslebens zn der Aufgabe stand, die das Tempelhetligthnm darstellte und zu welcher das Tempellebcn unablässig führen sollte: so war überhaupt dem Auge der Zeitgenossen der Verfall noch verhüllt; das Auge, das nur die äußere Erscheinung erfaßt, sah in Juda noch nicht das Band zerrissen, das Israel für immer mit Gott und der von ihm ertheilten Aufgabe verknüpfen sollte. Es stand noch der Tempel, es brannte und leuchtete noch die Mtarflamme, es fehlten die Opfer und die Opfernden nicht, es sammelten noch Neumond und Sabbath und Festtage die ״Andächtigen" in die Hallen des Tempels; es waren auch noch die Könige aus Davidischem Geschlecht und es fehlten die Fürsten und die Richter nicht, nicht die Nettesten, die Propheten und Priester; alle die äußern Elemente des Tempels und des Staates waren da, und es schien noch das öffentliche Leben dem durch den Tempel repräsenttrten Göttlichen die gebührende Beachtung zuzuwenden. Das am Aeußern haftende Auge vermißte nichts; nur dem in der ״Brust" zu weckenden Geiste war der tiefe Verfall, die tiefe Zerfallenhett des Volkes mit seiner Bestimmung sichtbar zu machen, und eben diesen am Herzen des Volkes nagenden Todeskeim zum Bewußtsein zu bringen, den Augen des Volkes und seiner Häupter den Staar zu stechen, damit sie den Abgrund sehen, dem sie unabweislich, wenn sie nicht umkehren, entgegeneilen, das war die nächste Ausgabe der Sendung Jesaias. Sie sollte wo möglich dem Untergange Vorbeugen,׳ der sich erst nach 160 Jahren vollziehen sollte; sie sollte aber auch, wenn dieses ihr nächstes Ziel unerreicht bleibt und die Katastrophe einbricht, über den Abgrund htnübersühren und alle die darauf kommenden Zeiten durch das von ihr gebrachte Bewußtsein mit dem Geiste erfüllen, der über denselben Abgrund auch wieder zurückführt zu der leuchtenden Höhe des dann für ewig unverlierbar errungenen jüdischen Heils.. In sofern war das Ganze חזון, es war die Anschauung des noch in Gegenwart und Zukunft Verhüllten. .על יהודה וירושלם, Juda und Jerusalem sind die Objekte des Erschauten, Juda, das Volk, und Jerusalem, das Centrum, in welchem sich der leitende Einfluß befindet. Indem aber die Zeit nach den |!