Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1863)
- Article
- Aus der Judengasse
- Date
- 1863-01-01
- Page
- 186 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Au« der Judengasse. nuten waren die Zimmer geleert. Jeder eilte heim zu den Seinen, denn sie ahnten was ihnen bevorstand. Mit wildem Geschrei durchtobte die Menge die, von mildem Mondcslichte erhellten Gassen. Mit Knütteln und Aexten bewaffnet, drangen sie wüthcnd in die wehrlosen Judenhäuser. — Eine Mutter hält schützend den Säugling im Arme — die Rotte dringt herein, reißt das Kind von der Mutterbrnst — und zerschmettert liegt es am Boden. — ״Tausend Judenbälgc bezahlen ein Christcnkind nicht!" — Mit scharfem Messer wirft sich ein Weib ans ein Mädchen, von blendender Schönheit. ״Erbarmen! Erbarmen!" fleht das Mädchen. ״Hast selber Erbarmen gehabt, als ihr mir den Herzensbub' geschlachtet?" ״Gerechter Himmel Hab' denn ich's gethan!" — ״Laß sie los!"" Herrschte Eine aus dem Haufen das Weib zurückstoßend; ״die ist zu schön, die muß mein Liebchen sein!" — Verzwciflung erfaßt des Mädchens Herz und sic verleiht ihr Kraft. Sic springt auf das Weib, entreißt ihr das Messer und stößt sich'ö in die- Brust. —Und immer wilder, immer blutgieriger wird die Menge. Löb's Haus war das letzte in den Gasse. Der Morgen graute schon und noch hatten sie es nicht erreicht, aber wehklagende Leute stürzen herein und berichten die Gräuel, und Verzweiflung bemächtigt sich der Herzen Aller. — Da kommen sie, das Geheul der Wülheuden ist nah. Ein Haufe schleift den Schächter der Gemeinde durch die Gassen, ein anderer wälzt sich Löbs Hause entgegen. — Da durchzuckt es wie ein Himmelsruf Benjamins Brust, seine Augen funkeln, Verklärung leuchtet aus seinen Zügen. ״Herr des Himmels! was ist dir?" ruft Tirza, deren Blicke an ihm hingen. Er wendet sich zu ihr, mit tausend Banden ziehts ihn hin zu ihr. — Ein furchtbarer Kampf erhebt sich in seiner Brust. Doch nur einen Moment währt er, — entschlossen stürzt er fort. — ״Um des Heiligen willen Benjamin;" Aber er blickt sich nicht um, wirft die Thür hinter sich zu und sich den Andringenden entgegen. ״Halt", schreit er, ״mordet die Unschuldigen nicht, ich Hab ja keinen Helfer gebraucht, ich hab's ja allein gethan!" ״Du hast das Kind gemordet, und wo ist die Leiche?" ״Der Bub hat mich gehöhnt und mit Koth beworfen, da Hab ich ihm einen Schlag versetzt, der ihn in die Schläft getroffen hat, die Leiche Hab ich in den Fluß geworfen." ״So soll das Feuer der Rächer des Wassers sein!" brüllte eine Stimme aus