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Jeschurun · 1863-01-01 · Heft 4 (Januar 1863) · p. 187

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 4 (Januar 1863)
Article
Aus der Judengasse
Date
1863-01-01
Page
187 (sequence 8)
Language
German
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Von S... 187 dem Haufen und wildjauchzend stimmteu die Andern ein. Den Schächter loslassend, ergriffen sie den edlen Jüngling und zogen ihn schleifend fort. ״Mein Traum!" schrie Tirza.mit gräßlicher Stimme,und stürzte sinnlos zu Boden. Vom Fenster aus hatte sie Alles gesehn.. ״Zum Bergei hin, zum Bergel! sie wollen sich dort «inen Tempel bauen, dort hat's Holz!" — Und fort zogen sie, laut kreischend in teuflischem Jubel. Das Opfer in der Mitte wetteiferten Alle ihn mit Faust und Knittelstößen zu martern; aber weder dieß noch der scheuslichste Hohn konnte ihm ein Schmerzensschrei entreißen. — Endlich langten sie au bei der erwählten Stätte. In geschäftiger Eile war ein Scheiterhaufen errichtet, der Jüngling auf demselben befestigt und rasch zündete die Mordgier die Scheiter an. — Hoch schlugen die Flammen über den sich dem Tode Weihenden zusammen ״Höre Israel, der Ewige, unser Gott ist ein einiges, ewiges Wesen!" ertönte es von seinen Lippen. Da schall ein grauenhafter Schrei durch die Luft — so herzerschütternd, daß selbst die Mörderrotte bebte. Mit Riesenkraft theiltc ein weißer Arm den dichtgedrängten Haufen. ״Benjamin! Benjamin!" die schwarzen Locken im Winde statternd, stürzte Tirza mit ausgebreiteten Armen dem Flammenhaufen entgegen. Unwillkürlich hielten mehrere sie zurück. ״Hei, da ist ja die Kalle des Mörders!" schrieen Einige. ״Schickt sie doch zu ihrem Choßen!" brüllten Andere. Gewaltige Arme packten das unglückliche Mädchen und schleuderten es in die Flammen. — Ruhig war's in den Judengassen, ruhig wie auf dem Friedhofe. — Auch in Löb's Hause war es sehr rubig. Die Frauen, die bei Mirjams Leiche wachten, stüsterten leise als ob sie die Todte zu stören besorgten — Im Nebenzimmer wand sich ein Greis in Höllenqualen — es war Löb, heute ein Greis — gestern war sein Haar noch kohlschwarz gewesen. Stumm umstanden ihn seine Freunde. — Gegen Abend brachte ein Bauer aus einem benachbarten Dorfe den gestern vermißten Christenknaben. Vor den Mißhandlungen seiner Stiefmutter war er entflohen, jenes Weibes, das das schöne Judenmädchen ermorden wollte. — Auf der Stätte, wo der Edle sein Leben endete, erhebt sich noch heute eines der herrlichsten Gebäude seiner Art, die sogenannte Altschul. -

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