Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1863)
- Article
- Aus der Judengasse
- Date
- 1863-01-01
- Page
- 184 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Aus der Jude »gaffe. wiederkehrte, da fand sie ihre Tochter neu gestärkt und schon aus dem Bette. ״Kannst du mir, verzeihen, Mutter lieb, daß ich so kindisch gewesen bin? ich möcht' mich vor mir selber schämen, und wie i ich dich erschreckt Hab'." ״Laß gut sein, Kind, ich freu mich nur, daß ich dich wieder seh'; Hab' doch wahrlich geglaubt, ich werd' den Benjamin wieder heim schicken müssen." ״Der dumme Traum, er hat mich ganz konfus gemacht." ״Denk nicht mehr dran und eil' dich nur, jede Minüt' können unser Leut' hier sein." Rasch beendet Tirza ihre Toilette, und beide begaben sich ins untere Zimmer. ״Wie du wieder frisch׳ ausstehst, und was der Benjamin für 'ne Freud' haben wird." Kaum hatte Mirjam diese Worte gesprochtzn, Äs die Thür sich öffnete und Löb hereintrat. Er sprach nichts, \ aber sein Gesicht strahlte; ein hochgewachsener junger Mann folgte j ihm auf dem Fuße. ״Tirza!" jauchzte er auf sie zu eilend. ״Benjamin!" und sie bebte vor Frende. Als eine Waise war Benjamin in das Haus seines reichen Onkels Löb gekommen, und von diesem wie ein Sohn geliebt und erzogen worden. Nur um drei Jahre älter als Tirza ward er ein lieber Gefährte ihrer Kinderjahre, und mit inniger Freude bemerkten die Aeltern die stets wachsende Neignng ihrer Kinder. Als Bcirjanrin sein 16. Jahr erreicht hatte, verlobten sie ihn mit ihrer Tochter und sandten den Jüngling auf die Rabbinatshochschule nach Preßburg. Bald zeichnete er sich hier vor Andern aus, und wenn er alljährlich in den Herbstfesttagen die Seinen besuchte, da war es Löb's größte Lust ihnImit den anerkannten Talmudisten in Controverse zu sehen. Und immer inniger ward auch das Band, das die Verlobten umschloß, immer schmerzlicher ward ihnen das Scheide», immer glückj licher wachte sie das Wiedersehen. ״Wenn du nun wieder heim 1 kommst, da lassen wir dich nimmer fort, da wird Chasne gemacht," hatte | Löb beim vorigen Abschiede zu ihm gesagt. — Seit vielen Wochen hatte daher Tirza schon die Tage gezählt, die ihr Bräutigam noch \ fern von ihr weilen mußte; und ihr Traum, ihre Angst und Alles | war vergessen als sie ihn nur sah. ״Wie schön du geworden bist, Tirze, ich hielt's Nimmer auS, sollt'ich nochmals von dir fort," und '! sie glaubte das Herz müsse ihr springen vor sel'ger Lust. si Es war Abend. In dem hell erleuchteten Zimmer des Hochzeits- | Hauses be wegte sich eine muntere Gesellschaft, die ein alter jüdischer /*'