Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1863)
- Article
- Aus der Judengasse
- Date
- 1863-01-01
- Page
- 182 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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182 ׳ Aus der Judengasse. ״Was ist dir Tirza?" frug sie sanft, und nahm die herabhängende Hand des Mädchens in ihre. Diese fuhr zusammen. ״Was mir ist, Mutter? nichts, nichts, ganz gewiß nichts." ״Meine Tirza weint nicht wenn ihr nichts ist," entgegnete kopfschüttelnd die Mutter. ״Und Hab ich denn geweint, das wüßt ich wirklich nicht, derzeih' mir Mutter lieb". ״Verzeihen, gerne Kind, aber wissen möcht' ich doch was dich so sehr ergreift." Tirza sah sie mit einem eigenthümlichen Blicke an. ״Und es ist doch nichts, in der That nichts; denn einen Traum kann man doch nicht wohl Etwas nennen." ״Also ein Traum ist's der dich ängstiget? Das hätt' ich kaum von dir gedacht" ״Versteh' ich mich denn selber/ habe ich denn se an Träum' geglaubt? Aber Mutter dieser Traum, dieser Traum!—״ Leichenblässe überzog plötzlich ihr Gesicht, und es mit beiden Händen bedeckend, brach sie in ein leises Schluchzen aus. Mirsam war erschrocken über die Aufregung des sonst so muntern Mädchens, doch fühlte sie sich erleichtert, wenn sie an die Ursache desselben dachte. Mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln suchte sie ihre Tochter zu beruhigen, aber erst nach längerer Zeit gelang ihr dieses und nur zum Theil. Den Kopf an die Brust ihrer Mutter gelehnt saß Tirza mit geschlossenen Augen, und an ihrem raschen unregelmäßigen Athem erkannte man leicht, daß nur der Ausbruch ihrer Aufregung sich «beschwichtigt hatte. ״Aber Kind lieb", sagte endlich die Mutter, ״nimm dich doch zusammen, was wird denn der Benjamin sagen wenn er dich so trifft. ״Er ,kommt ja heut; er muß bald kommen," rief Tirza und sprang auf, ״ei daß er lie- Ler zurück bleiben möchte." ״Das wünschest du? — ich Hab' immer geglaubt du aumertest bis zu seiner Ankunft, — aber wenn er dir nicht mrhr lieb ist, so macht ihr morgen keine Chasne, durch das Knaslegen bist du nicht gebunden," ״Benjamin sollt' mir nicht mehr lieb sein! lieber, viel lieber als mein Leben ist er mir jal — Aber eben darum möcht' ich daß er nimmer käme, denn wenn er kommt — — so geschieht ihm ein Unglück," fügte sie mit leiser bebender Stimme hinzu. ״Kind lieb, Kind lieb, so darf man nicht sprechen," sagte die Mutter ernst. ״Oeffne deinen Mund nicht dem Zoton" steht geschrieben." ״Aber wenn du gesehn hättest was ich Hab'" — ״Möchtest ihn mir nicht erzählen, deinen Traum? vielleicht erscheint's dir minder schrecklich weun du davon redest." ״Ob 8! fl