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Jeschurun · 1863-01-01 · Heft 4 (Januar 1863) · p. 181

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 4 (Januar 1863)
Article
Aus der Judengasse
Date
1863-01-01
Page
181 (sequence 2)
Language
German
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Von S . . . 181 f ־י ״ Freundlich blickte sie zu ihm auf. ״Und wenn ich sie mir nun zuj rück denk', diese zwanzig Jahr'", fuhr er mit gedämpfter Stimme - fort, ״was wir alles zusammen haben durchgemacht, — all' die j Freuden und all' die Leiden. - Als sie unfern kleinen Daniel hinj aus getragen haben auf den guten Ort, und als ich wahnsinnig > vor Schmerz den Heiligen, gelobt sei Er, fast gelästert Hab' — als du da gebetet — und als unsere kleine schöne Sara dem Brüder- ־ lein bald gefolgt ist, als du da gleich der Gattin Rabbi Meir's" — j Ein Zittern durchzuckte Mirjam und Lob drückte sie fester an sich. — Nach einigen Minuten schweigender Erinnerung fuhr er fort: ״Damals habe ich dich für fromm gehalten, Mirjam, für sehr sehr fromm, — aber ich Hab geglaubt die Kinder hättest du nicht so; lieb gehabt wie ich — Kannst du mir das verzeihen? — Als aber; dann Tirza geboren worden ist und du vor Freude fast wahnsinnig j geschienen hast, — an deinem fortwährenden Rufen es lebt es lebt!! Hab' ich erst gesehen wie du bei dem Tode der andern Kinder ge-! litten hast. — i Die Thüre ging auf und ein schönes Mädchen von 16 — 17 | Jahren trat herein. ״Ah unsere Kalle!" rief Lob mit einem male s seine frühere Munterkeit wieder erlangend. ״Nun Kalle, noch sechs! Stunden dauert's bis der Choßen kommt, was fängst du denn inj dessen an, das Chuppekleid versuchen, oder das Decktuch?" ״Viel j lieber versuch' ich die Hochzeitskuchen da" eiitgegnete Tirza lachend, j ״Hast Recht Kindlieb, sagte die Mutter, morgen bekommst du doch s zum Frühstück keine, und darum Hab' ich sie auf heut' schon hergegeben." Und alle drei setzten sich an den Tisch, auf dem das Früh-, jj stück schon bereitet stand. Lob war in der fröhlichsten Laune, voljj ler Neckereien gegen Tirza, die dieselben mit ihrer gewöhnlichen | Heiterkeit entgegennahm. Doch der Mutter scharfem Auge entging j es nicht, daß diese heute nur erzwungen, und daß ihre Wangen jj viel blässer als gewöhnlich. Doch sie schwieg und wartete bis ihr | Mann nach dem nach geendetem Mahle gesprochenen Segensspruch sich | entfernt hatte. Als sie nun mit ihrer Tochter allein war versank ן diese in ein trübes Sinnen, unbeweglich starrte sie auf das vor ihr J ausgebreitete weiße Tischtuch, und eine Thräne entglitt endlich den | Zangen schwarzen Wimpern. Länger konnte die Mutter, die mit t Wiei steigender Unruhe ihr Kind beobachtet hatte, sich nicht halten. 15* *

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