Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1863)
- Article
- Aus der Judengasse
- Date
- 1863-01-01
- Page
- 180 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Aus der Iuderigasse, Vou S . . . »Wo ist denn Tirza, ist sie noch nicht munter?" ״Ich weiß es nicht, doch ich bitte dichsei leise, Ungeduld und Aufregung haben sie vielleicht in der Nacht nicht schlafen lassen. Drum laß' sie jetzt das Versäumte nachholen." ״Null, ich Hab' nichts dagegen, aber ich glaubte wirklich ich würd' sie schon in vollem Putz treffen, uttd ich sag' dir, Mirjam, wenn sie meine Natur hält', es duldete sie längst nicht mehr in den Federn. Seit vor Tags bin ich auf den Beinen, lauf' hier herum und da herum — vu kannst dir's nicht denken wie ich mich freu!" ״Kann ich's wirklich nicht", fragte Mirjam und sah ihn lächelnd an, seit wann steht denn Mutterliebe gegen Vaterliebe zurück? oder ist vielleicht Tirza weniger mein Kind als deins?" ״Mir könnt' sie sein was sie ist, wenn sie nicht deine Tochter wär'", antwortete Löb und schlang den Arm um die noch immer schlanke Taille seiner Frau; weißt du Mirjam, fuhr er noch inniger fort, daß es grad' heut' zwanzig Jahr werden, daß wir unter der Chuppe gestanden?" ״Zwanzig Jahr?" ״Zwanzig Jahr, ja ja Mirjam, wir werden alt. Damals hast du ausgesehen wie unsere Tirza jetzt, und ich Hab' geglaubt ich hätt' dich so lieb, daß ich dich nie lieber haben könnt, und nun sind deine Wangen blaß und eingefallen und ich habe dich doch noch um zwanzigmal lieber-"