Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1863)
- Article
- Zum jüdischen Gemeindeleben
- Date
- 1863-01-01
- Page
- 176 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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176 ־ Zum jüdischen Gemeindeleben. da ich, wie dargethan, nicht zu ihrem religiösen Verbände gehöre und gegen diese zugcmuthete Hörigkeit fortwährend protestire, dieß hätte ja wohl diese Gemeinde noch erst vor dem Forum des Rechts zu erweisen. Allein einmal abgesehen davon. Ob Jemand irgend ein Gemetudeinstitut wirklich benutze, das gilt allerdings völlig gleich; allein ob er es benutzen könne, ob es so eingerichtet ist, daß er cs benutzen dürfe, ob es, das religiöse Institut, somit einzig bestimmt der religiösen Pflichterfüllung desjenigen dienen zu können, für den es errichtet sein soll, auch so eingerichtet ist, daß dieser Jemand ohne seinem religiösen Gewissen zu nahe zu treten sich seiner bedienen dürfe und könne, das möchte doch wohl eben nicht so gleichgültig sein, wohl eben so wenig gleichgültig, als ob ein Schuh, der bei mir bestellt ist, so eng von mir abgeliefert, daß die Arbeitgeberin sich erst ein chinesisches Füßchen dazu verschaffen müßte. Was würde man Wohl sagen, wenn ich für mein chinesisches Sttefelchen allen Ernstes Bezahlung verlangte und etwa so argnmentirte: ob du den Stiefel anzieheu wirst, den du bei mir bestellt, das gilt mir ja gleich, darum mußt du mir auch den Stiefel bezahlen, den du gar nicht anziehen kannst! Und wenn nun gar kein Stiefel bei mirbestellt wäre, und ich mit meiner engen Pfuscherarbeit zu dem Ersten Besten ginge und sagte: du mußt mir diesen Stiefel bezahlen, obgleich du ihn nicht bei mir bestellt und obgleich du ihn gar nicht gebrauchen kannst; denn es gilt ja dem Schuh- Macher gleich, ob das Publikum seine Schuhe trägt oder nicht, er muß sie arbeiten und sie müssen sie bezahlen — würde man nicht statt des lateinischen Schuhmachers, den verrückten Schuster mich nennen, und nicht etwa mit Recht?! Und ist das Argument des Vorstandes gegen mich weniger hirnverbrannt?! Nicht eine einzige seiner Anstalten, die er ja eben für mein religiöses Bedürfniß, wie man das nennt, hergcstellt zu haben vorgiebt, obgleich ich fortwährend gegen einen solchen vermeintlichen Auftrag meinerseits protestirte, kann ich für mein religiöses Gewissen gebrauchen; beten muß ich zu Hause oder an Sabbath und Festtag in das benachbarte Dorf gehen; meine Kinder muß ich selbst unterrichten so gut es geht; Fleisch muß ich mir mit Mühe und Kosten aus der Ferne beschaffen; drei Stunden meine Frau wandern lassen um eine koschere Mikwc zu finden; und doch will er seine Synagoge, Schule, Lehrer, Prediger,