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Jeschurun · 1863-01-01 · Heft 4 (Januar 1863) · p. 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 4 (Januar 1863)
Article
Zum jüdischen Gemeindeleben
Date
1863-01-01
Page
169 (sequence 6)
Language
German
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Aphonsrneu. IN. 169 es gar nicht so gewagt zu behaupten, der Staat, d. h. ja ebeü die Leiter und Repräsentanten des Staates wissen sehr Wohl, daß das von dem Israelitischen Gcmetndevorstand meines Wohnortes vertrejene Religionswesen durchaus ein anderes sei, als dasjenige, welches unter dem Namen Zudenthnm seit Jahrtausenden aller Welt bekannt ist. Man frage den ersten besten christlichen Schulknaben nach den charakteristischen Merkmalen des Inden als solchen, wird er z. B. nicht sofort daS Nichtarbeiten am Sabbath, das Nichtfeueranmachen am Sabbath, ha- Nichtesse« dos GchweimsieischS u. s. w., wie daS ihm somohl sein Lesen der «testamentarischen Bibel, als seine Erfahrung aus he« Leben eingrprigt, als UnterscheidungS-Merkmäl hervorheben? Habe ich doch selbst, als ich einmal zum Ledereinkanf in der Residenz gewesen, in der Versammlung unserer Landstände gehört und eö auch wiederholt in ihren Berharchkungen gelesen, die Bestrebungen der Modem«« Juden in religiösem Gebiete seien vom Staate zu begünstigen, weil ste durch Abschwächung der Autorität des Talmuds «yd des jüdischen ReligionSgesetzeS die Brücke zum allmäligeu Ausgehcn der Juden in das Christenthvm anbahnen, eine Ansicht, die mit mehr oder minderer Klarheit die Gunst erklärt, deren sich die Bestrebung unserer «odernen Juden von den meisten Staaten z« erfreuen habe«. Gesteht aber nicht eben diese Ansicht sofort zu, daß diese modernen Bestrebungen schon mit einem Schritt außerhalb des JudenthumS stehen? Denn nur ein Htuausschreiten aus dem Judenthum kann den Juden hem Christenthum nahe bringen. Und in der That ist diese Ansicht eine durchaus begründete. Fürchtete ich nicht das odiose ״Schuster bleib' bet deinem Leisten", ich glaube es wäre mir ein Leichtes aus den Bekenntnißschriften der Christen selbst zu erweisen, daß ursprüuglich nicht sowohl der Glaube, als das Obligate oder Nichtobligate des Gesetzes Christenthum von Judenthum scheidet, und somit der Jude, der das ״Joch beS Gesetzes" abgcschüttelt, nicht nur mit einem Fuße, sondern bereits mit beiden Füßen mitten tm Christenthum steht. Doch der Schustex bleibt bei seinem Leisten und behauptet nur, der Herr Oberamtmann und der Herr RegierungSrath, die seinen Protest gegen die Cultussteuersordcrungen deS israelitischen Gemeindevorstandes zurückgewiesen, wissen sehr wohl, daß er, der Schuster, der am Sabbath seine Werkstätte und seine« Laden ged-

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