Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1863)
- Article
- Zum jüdischen Gemeindeleben
- Date
- 1863-01-01
- Page
- 166 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Zum jüdischen Gemeinbeleben. ja, Würde ich ihn nicht freiwillig, von selbst und mit Freuden entgegenbringen. Ich bin Jude und weiß, daß es heilige jüdische Pflicht ist לשאת בעול עם הברו, mit den andern Gliedern gemeinschaftlich die Lasten des jüdischen Gemeinwesens zu tragen. Seit 25 Jahren hat sich jedoch dieses Alles vollständig geändert. In Folge einer neuen Organisation wurden damals 5 Manner zu Vorstehern von der Behörde bestellt, nicht von der Gemeinde gewählt, mit der Bestimmung, sich immer selbst zu ergänzen. Diese Vorsteher waren durchweg nichtjüdisch-religiöse Männer, die bereits weit über das jüdische Neligionsgesetz fortgeschritten waren, die es als ihre Aufgabe betrachteten, die Gemeinde und deren Anstalten in diesen sogenannten Fortschritt hinüber zu leiten, die sich immer nur durch Gleichgesinnte ergänzten, und denen es daher ein Leichtes wurde, durch ein 25jähriges consequentes Manövriren die Gemeinde und deren Anstalten dem jüdischen Religionsgesetze völlig zu entfremden. Der Gottesdienst ist reformirt, die Liturgie verstümmelt, die " Orgel spielt am Sabbath und Jom tow. Aus der Schule ist das Hebräische fast verbannt, der Lehrer huldigt selbst dem sogenannten Fortschrittssystem des Vorstands, d. h. er lebt selbst unjüdisch, sein Religionsunterricht bient selbstverständlich demselben System, nach welchem die Jugend in Unkenntniß des Gesetzes gehalten, ja zur Verachtung des Gesetzes und der Gesetzestreue als Formgötzendienst, Ceremonialplunder und Scheinheiligkeit angeleitet und für den Fortschritt, d. h. für Verachtung der väterlichen Religion fanatisch begeistert wird. Der Lehrer ist zugleich Prediger und seine Vorträge in der Synagoge sind in gleichem Geiste. Die dem gesetzestreuen Leben unumgänglichen Anstalten, Schechita und Mikwe sind völlig vernachlässigt. Der Schächter, zu gleicher Zeit Dirigent des Synagogenchors, ist ein leichtsinniger Mensch, der seiner ganzen Lebens- und Sinnesweise nach mehr ins Theater als in die Funktion eines jüdisch-religiösen Gewissenamtes paßt. Die Mikwe ist völlig in Verfall gerathen, da der Vorstand erklärte, ein Bad in der Orts-Badeanstalt leiste dieselben und bessere Dienste und die große Mehrzahl sie überhaupt nicht mehr benützt, ja, bet einem jüngsten Umbau der Synagoge soll sogar einmal die Rede davon gewesen sein, sie gänzlich zuzuwerfen und den Raum mit zur Vergrößernng $ Ü :1 ß I *C i|