Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1862)
- Article
- Altjüdische Frömmigkeit
- Date
- 1862-12-01
- Page
- 135 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Das Buch der Frommen. 185 daß er nichts vergesse, nichts überspringe und alles in gehöriger Weise vortrage? So schicke auch du dich zum Gebete an, Und wenn dir eine besondere Bitte auf dem Herzen liegt, die Bitte um Nah» rung, um Genesung für einen Kranken, so richte deine Andacht nicht nur auf diese Bitte in der Thcfilla, sondern ihr ganzer Inhalt sei Gegenstand deiner Andacht und habe überhaupt nicht deinen Sinn nur auf den bittenden Inhalt, sondern vorzüglich aus die sich daran knüpfenden Segen- und Hulbigungssprüche, denn eben sie sind die Blüthen des Gebetes nach der Vorschrift: man bemühe sich alle mit Andacht zu beten, mindestens aber die Gedächtniß-Beracha der Väter und die Huldignngs-Beracha des Dankes, Abyth und Hodaa. Hättest du nur Andacht bei den Bitten, so spräche man im Himmel: an der Ehre Gottes liegt ihm nichts, er hat nur Sinn für die Anliegen seines eigenen Bedürfnisses. Darum sammele dich zu einer freudigen, Gott verherrlichenden Stimmung zum Gebete. Sprich mit Keinem unmittelbar vor Beginn des Gebetes, sondern lies Dinge, die das Herz ergreifen und es in die rechte Stimmung zum Gebete bringen. Wo möglich schalte in jede bittende Beracha, oder doch in einige, etwas deinen besoüdern Verhältnissen Entsprechendes ein; suche dir auch die dein Herz am ineisten ergreifenden und erhebenden Vortragsmclodien, die dein Herz dem Inhalt deiner Worte hingeben und dich mit Liebe und Freudigkeit zu dem erfüllen, der in dein Herz schaut. 70 (158). ל, der Name Lamed dieses Buchstaben weißt auf Limud, aus den Unterricht und Erziehung zur Gottesfurcht hin, darum spricht auch David unter diesem Buchstaben von der Erziehung zur Gottesfurcht: לכו בנים וגו׳, gehet Kinder, hört auf mich, Gottesfurcht will ich euch lehren. Er wendet sich an ״Kinder", denn die in der Jugend genossene Unterweisung gleicht nicht dem Unterricht im Alter. Der Mensch, den der Vater von Jugend an zum Guten augehalten, gleicht dem geübten und erfahrenen Wanderer durch die Wüste, der festen, sichern Sinns die Richtung zur Stadt zu finden weiß, gleicht dem kundigen Schiffer, der auf offenem Meere dem Hafen zuzusteuern weiß, während der Unkundige rathlos hin und her schweift, von dem es heißt: er weiß nicht den Weg zur Stadt zu finden." Der