Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1862)
- Article
- Altjüdische Frömmigkeit
- Date
- 1862-12-01
- Page
- 132 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932919-2932923-2947447--07900-2947510- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
132 Altjüdtsche Frömmigkeit. Ausübung des Guten schwer, wo in den Dingen und Menschen Schwierigkeiten liegen, da bedarfs eines überdachten, entschiedenen und beharrlichen Vorsatzes, das gute Ziel trotz der Hindernisse zu erreichen. Weil aber dazu oft tiefe Weisheit gehört und eben so große Ueberlegung und Klugheit wie sie sich bet den von Lust, Neid und Ehrfurcht Gestachelten finden, so kann der Gottesfürchtige viel von diesen lernen, kann es von ihnen absehen, wie sie spekuliren, und streben und die größten Wagnisse bis zur Lebert,sgefahr bestehen um nur oft die Lust eines Augenblickes zu büßen, und hat dann hinzugchen und um Gotteswillen, in Erstrebuug des Guten eine gleiche Energie und Hinopferung zu entfalten. ״Ich will geheiligt werden in Israels Mitte!״ fordert Gott von uns, daß wir uns um seines Namens willen hinopfern und wir von uns sagen können, ״um dich ließen wir uns jeden Tag Htnschlachten — ״ 66 (155). Auch die Neigung zum Bösen, sagten wir, ist eine Wohlthat dem Guten. Hätte das Böse gar keinen Reiz für den Guten, welches Verdienst wäre das Gute, das er übt? Wenn ihn aber wohl die Leidenschaft reizt, er aber bezwingt sie um Gotteswillen, dann erst ist seine Sittlichkeit Verdienst. Und so erhöht die auch dem Bösen innwohnende Anlage zum Gute seine Schuld. Hätte er nie das Gute gekannt, ihm wäre die Kehrseite des Bösen völlig fremd geblieben und er dürfte sich entschuldigen, er habe nie eine Vorstellung vom Guten gehabt.— Bist du tu Versuchung irgend ein Gutes und Edles aus Scheu vor den Menschen oder Schwierigkeiten und Opfern wegen der die damit verbunden sind, zu lassen, oder ein Unrecht zu üben weil die dafür sprechende Leidenschaft zn heftig pocht und zu mächtig lockt, denke, welche Opfer, Marter und Tode du für die Standhaftigkeit in der Pflicht in Zetten der Religtonsversolgungen erduldet haben würdest, und vergleiche damit die Opfer und Kämpfe, die deine Gegenwart von dir fordert, und du wirst sie leicht und geringe finden. 67 (156). Siehst du drei Geschlechter und aufwärts Talmide Chachamim und nun ihre Nachkommen Ame Haarcz, glaube nicht, eS hätte sich da der Satz der Weisen nicht bewährt, daß wo in drei Geschlechtern die Thora-Weisheit ihre Pflege gefunden, sie dann für immer