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Jeschurun · 1862-12-01 · Heft 3 (Dezember 1862) · p. 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 3 (Dezember 1862)
Article
Altjüdische Frömmigkeit
Date
1862-12-01
Page
131 (sequence 5)
Language
German
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I. Das Buch der Frommen. 131 sang des Wissens. Träte Jemand aus dem Kerker, würde er sich nicht Gott zu danken verpflichtet fühlen? Wo gäbe es aber eine bindendere Fessel als der Schlaf? Darum ziemt sich's wohl Gort für das zu danken, was dir bis dahin versagt war und' du mit dem Erwachen wieder erlangst: die Gewalt über deinen Körper, den freien Gebrauch jedes Gliedes, die Hände, die aus der Unfreiheit wieder zum freien, reinen, menschlichen Schaffen erstehen und darum — außer der Gesundheitsrücksicht — zu dieser erneuten höheren Besttmmung durch Waschen geweiht werden. Es gab einen Frommen, der Gott für jedes Glied besonders segnete nach dem Spruche: ״Mein Herz und mein Leib jauchzen zum lebendigen Gott, oder: alle meine Glieder sprechen, Gott wer ist dir gleich!" Er betete, daß alle seine Glieder ihrem Schöpfer zu seiner Ehre dienen mögen und er sich mit keinem Ihm versündige. Denn Gott kräftigt den Sinn der Guten, daß sie ihm nicht sündigen und kein Unrecht durch sie veranlaßt werde. 65 (18s). Fähig zum Guten und fähig zum Schlechten ist Zeder. Dem Guten aber ist auch die Fähigkeit zum Schlechten eine Wohlthat. Er sieht, welche unendliche Mühe sich der Schlechte giebt seine Leidenschaft zu befriedigen, wie viel Pläne er ersinnt sein Gelüste zu erreichen und oft ist cs nur der Genuß eines kurzen Augenblicks, an den er sein Leben setzt. Räuber, Diebe, Buhler stürzen sich in die größte Gefahr um der zweifelhaften Befriedigung einer Begierde willen — und er, der Gute, um seines Gottes willen, der die Erfüllung des Guten mit einer in alle Ewigkeit reichenden Seligkeit verknüpft, gegen welche alle andere Genusscsseligkeiten völlig verschwinden, wie sollte er nicht alles daran setzen und alle möglichen Pläne ersinnen also das Gute zu üben, wie Jene das Schlechte erjagen! Wäre die Neigung zum Guten also mächtig und stark in ihm wie eine Leidenschaft zum Schlechten, er würde mit aller Hinopferung Alles daran setzen den Willen seines .Vaters im Himmel zu erfüllen. Freilich wo das Gute mit seiner Neigung übereinstimmt, cs ihm auch leicht zu vollbringen ist, ohne Schwierigkeit׳ hinsichtlich der Mittel und ohne Widerspruch und Hohn von den Menschen, da bedarfs nicht großer Pläne und Entschlüsse zur Ausführung. Allein wo die

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