Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1862)
- Article
- Kislew
- Date
- 1862-12-01
- Page
- 112 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Ktslew. tes furcht, der ״nicht nach dem, was seine Augen sehen richtet, und nicht nach dem, was seine Ohren hörten, lehrt", der seine Anschauung vom Recht nicht nach den ״vorhandenen Zuständen" und seine Lehre nicht nach den ״Ueberlieferungen der Menschen", gestaltet, der die Begeisterung in der Gottesfurcht findet, — lesen wir: ((11 ״ ״er richtet (oder, er schafft ihnen Recht, beides kann וש&ט heißen) in Recht die Armen und lehrt in Geradheit die Bescheidenen der Erde; die Erde aber schlägt er mit dem Stabe seines Mundes und mit dem Geiste seiner Lippe tödtet er den Bosen" — und dürfeit■ wir daraus vermuthcu, daß die Besitz- und Machtlosen allerdings einerseits am ersten für eine Lehre empfänglich sein werden, die eben durch die Idee des Rechts und die Dignität des sittlichen Moments jedem Menschen den wahren Reichthum und die wahre Würde unverlierbar im eigenen Innern aufdeckt und — unabhängig von dem Maße deS äußern Besitzes und der äußern Macht, — alle Menschen zu gleichem Glücke und gleicher Würde zu .berufen im Stande ist; andererseits aber daß auch den Armen diese Recht-Achtung und dem nur aus Armuth Bescheidenen die Lehre von der wahren Menschen-Kleinhctt und Größe nicht minder verloreu gegangen sei — Sehen wir vor der Jnteressen-Staats-Klugheit die Macht des sittlichen Momentes in dem inner» socialen Leben der Völker schwinden, so war es in dem internationalen Verkehr der Völker völlig erstorben. Im Gebiete der innern Politik lehrte die Dynasten doch eben das eigene Interesse Schonung ihrer Völker. Waren sie gleich blinde Werkzeuge ihres Willens, niedergehaltene Staffeln ihres Ruhms, es bedurfte doch der Wille und der Ruhm des Werkzeugs und der Staffel und mußte * auf deren Schonung und Erhaltung Rücksicht nehmen. Nur eine welterobernde Macht, die sich ihre Untcrthanen aus aller Herren Länder rekrntirt, konnte zuletzt selbst Schonung des eigenen Landes und des eigenen Volkes außer Augen verlieren wie im Todtengertcht über Babylons gestürzten König (14 ״) bei seinem Empfange in der Gräberwelt, ״das Grab selbst der Ankunft des gewaltigen Dynasten entgegen bebt, ihm entgegen alle die abgeschiedenen Führer der Erde weckt, alle Könige der Völker von ihren Stühlen aufstehen läßt, die ihn alle mit dem Gruß empfangen: so bist du denn wie wir schwach, bist uns gleich gemacht, ist ins