Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1862)
- Article
- Kislew
- Date
- 1862-12-01
- Page
- 109 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932919-2932923-2947445--07875-2947487- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ZcsaiaS und feine Welt. III. 109 der Stimme der Angst entflieht füllt in die Grube und wer der Grube entsteigt wird in der Schlinge gefangen. Denn von oben sind die Schleusen geöffnet, darum sind die Grundpfeiler der Erde erschüttert." Aus den alten, den Aufschwung der Erde bewirkenden Liedern — z. B. den Davidischen, deren Inhalt fast nichts weiter ist, (vgl. z. B. Sam. II. 23, 3f. Siehe Jesch. 6. u. 7.Jahrg.) - war unS die heitere Verkündung überliefert von dem endlichen Siege des Gerechten. Da wünschte ich sehnsüchtig das heitere Geheimniß dieser Zukunft zu schauen. Aber wehe mir! Welch ein Weg des Jammers führt zu dieser Zukunft! Ehe das Gerechte zum Siege kommt erreicht erst die Treulosigkeit den Gipfel, daß es nur Einen Wetteifer auf Erden noch giebt, wer der Meister im Betrügen Ware. Angst und Grube und Schlinge kommen erst über die Bcwohner der Erde. ״Pachad und Pachath und Pach" erschöpft alle die Be- Ziehungen des Menschen, in welchen sein Wohl und Wehe beruht, Pachad, die Angst, wenn der Mensch in seinem Innern den Halt verliert, ist die Zerfallenheit des Menschen mit seinem Innern. Pachath, die Grube, wenn der Mensch auf dem Boden der Natur zum Falle kommt, ist die Zerfallenheit des Menschen mit der Natür. Pach, die Schlinge, wenn der Mensch in der Gesellschaft feinen Untergang findet, ist die Zerfallenheit des Menschen mit der Gesellschaft. Ehe das Gerechte zum Siege kommt, müssen die Menschen erst aus Erfahrung lernen, daß auf dem Wege des Unrechts, sie überall ihren Halt verlieren, weder ihre innere Welt, noch die Natur, noch die Gesellschaft ihnen Rettung gewahrt. Wer, um der innern Unruh zu entgehen, sich der Natur in die Arme wirft, findet in dem der Sittlichkeit entkleideten, sogenannten natürlichen Leben sein Grab. Und wer, dem Grabe der Natur entgangen, in der Gesellschaft seine Rettung sucht, findet in den Schlingen des socialen Lebens seinen Untergang. Denn nimmer kann Natur nnd Gesellschaft den Halt ersehen, den der Mensch nur in seinem etgenen Innern zu finden vermag. Ist der sittliche Lebenskeim im Innern des Menschen erstorben, haben die Menschen den innern Halt verloren, so hat die Natur für sie nur Gruben und die Gesellschaft Schlingen. Vergebens suchen die Menschen gegen die aus der Zer-