Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 2 (November 1862)
- Article
- Zum jüdischen Gemeindeleben
- Date
- 1862-11-01
- Page
- 77 (sequence 13)
- Language
- German
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Aphorismen. X. 77 differenten, denen alles Religiöse gleichgültig ist- und denen irgend welche religiöse Gemeinschaft überhaupt als etwas Ueberflüssigeö,. wenn nicht vom Uebel, erscheint, — die alle jetzt noch durch das staatliche Postulat der Zusammenhörigkeit künstlich und gezwungen zusammen gehalten werden: so kann es nicht ansbleiben, sobald jetzt der Staat sein bindendes Machtgebot hinweghebt, werden viele jetzt bestehende jüdische Gemeinwesen zunächst ^haltlos auseinander fallen, und gar viele, den Bestand dieser Gemeinwesen voraussetzende Anstalten in ihrem Bestände erschüttert werden, und begreifen wir sehr wohl, wie ui« das jüdisch religiöse Gemeinwohl ernstlich besorgte Gcmüther einer solchen Möglichkeit nur ängstlich gedenken mögen. Und doch glauben wir einer solchen Zeit nur mit Freuden entgegenschen, und doch in ihr die Heilung wenn auch nicht von allen, so doch von unser» schwersten Uebeln erwarten zu dürfen. Freilich werden dann die wahrhaft jüdischen Kehilloth Jaakob nur klein sein; allein so klein sie sein werden, so einheitlich werden sie sein, so sehr wird nnr Eine lebendige Begeisterung Alle durchdringen, Ein Sinn und Ein Streben sie Alle leiten. Denn, indem nur das warme innere Pflichtgefühl die Glieder zwanglos zusammen führen wird, werden die Schwankenden, die Halben, die Lauen, die Gleichgültigen zurückstehen und nur die in bewnßtvoller Pflichttreue Entschiedenen sich zu neuen Stammkernen jüdischer Gemeinwesen zusammen gruppiren, und die einheitliche Energie wird Großes erzeugen. Zehn auf ein- Hcitlichem,' unangezweifeltem Boden mit entschiedener Begeisterung vereinigt stehende Männer schassen mehr, als tausend in schwankender Zerfahrenheit lose zusammengewürfelte Laue. Eben weil kein Zwang mehr da sein wird Jude zu sein, wird der, der Jude sein wird, es recht und aus vollem Herzen sein, und nirgend werden zehn Juden gehindert sein, ihre jüdische Pflicht nach der tiefen Ueberzeugung ihres Gewissens mit vollster, opferfreudiger Hingebung zu erfüllen. Der Staat wird nicht mehr zwinZen, aber der Staat wird auch nicht mehr hindern, und sich nirgend mehr als Werkzeug schnöden Gewissenszwang übender Reform mißbrauchen lassen. Diese Zeit allgemeinster Erschütterung und Rathlosigkeit wird die glänzende Wiederauferstehung des alten Judenthums feiern. Die trcugebliebenen Söhne des alten Judcnthums werden ja nicht rathlos in die Leere ungewisser Zukunft hinaus zu starren brauchen.