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Jeschurun · 1862-11-01 · Heft 2 (November 1862) · p. 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 2 (November 1862)
Article
Cheschwan
Date
1862-11-01
Page
57 (sequence 7)
Language
German
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ZesalaS «nd sein« Mit. II. 57 Diese Verehrung bedingte den Besitz von Bildern, in welchen, obgleich von. Menschenhänden gemacht, wie man gar nicht umhin kann anzunehmen, der Glaube sich die Gottheit wirklich gegenwärtig, oder sie doch in einem solchen innigen wirklichen Zusammenhang mit derselben dachte, daß der Besitz des Bildes die Gegenwart und den Machteinfluß des Gottes bedingte. Damit war aber völlig das letzte Vcrständniß der wirklichen Welt, insbesondere aber des wirklichen Verhältnisses derselben znm Menschen und des Menschen zu ihr vernichtet. Nicht Werk eines weisen, frei schaffenden Gedankens war die Welt, nicht Waltung Eines in Gerechtigkeit und Güte frei regierenden Willens war die Geschichte, nicht einziger freier Diener dieses Einen freien Meisters und Gebieters war der Mensch, Physis, bewußt- und willenlos an ewige Nothwendigkeit gebundene Naturwüchsigkeit war Alles, Macht und Leidenschaft die höchsten Attribute der Götter, Macht und Leidenschaft daö höchste Ideal der Menschen und Völker. Wie jedes Natur-Wesen und jede Natur-Erscheinung außer Zusammenhang mit allen übrigen, als Produkt einer in ihnen sich verkörpernden besonderen Gotteskraft sich darstellte, also war auch jedes Volk nichts als das Erzeugniß einer in ihm sich entsaltcnden besondern Gottes-Macht. Welt und Menschheit war in eine Vielheit gesonderter, einander ihrer Natur nach feindlicher Mächte zerfallen, in welcher naturwüchsig dem Stärksten die Zukunft angehörte. Vergebens lag doch in jedem Menschen durch die selbstbewußte persönliche Freiheit der lauteste Protest gegen die blindgebundene Götterwelt; vergebens hob doch diese, wie wir meinen sollten, nicht wegzuleugnende freie Selbstbestimmung den Menschen hoch über seine Götter hinaus; vergebens straften die Gänge der Weltereignisse diese Zerfällnng der Welt Lügen und wies auf Einen, jeder blinden Macht spottenden freien Meister hin. Der Wahn war stärker als die in die Menschenbrust gestreuten Samenkörner der Wahrheit. Die Menschen wurden zerfallen, blind und unfrei wie ihre Götter. ״So spricht die einzige, wahrhaftige Macht, so spricht Gott" zu Israel, seinem in diese wahnverfallene Welt gesandten Herold, ״so spricht Gott der Schöpfer der Himmel und ihrer Neigen, der Ebner der Erde und ihrer Sprossen, der dem Menschenvolk auf ihr den Athem giebt und Geist allen die auf ihr wandeln: in Gerech-

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