Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 2 (November 1862)
- Article
- Cheschwan
- Date
- 1862-11-01
- Page
- 56 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932919-2932922-2947376--07813-2947401- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
56 Eheschwan. : Ionischen Chaldäer-Staat (Jes. 47). ״Höre dies, Behagliche, sicher Ruhende, die in ihrem Herzen spricht : Ich, und außer mir Nichts! , Ich werde nimmer Wittwe (ohne Fürst),,werde nimmer erfahren was heißt der Kinder (des Volkes) beraubt zu sein! In einem Tage kommt dir Beides: Kinderberanbtheit und Verwittwung! In ihrer Vollendung sind sie dir gekommen trotz der., Menge deiner Zaubertrotz der unendlichen Macht deiner Banner! Auf deine Schlechtigkeit hast du gebaut, sprichst: Keiner sieht mich! Deine Wissenschaft und Kcnntniß, die hat dich in die Verwilderung gebracht, die ließ dich im Herzen sprechen: Ich, und außer mir Nichts! Da kommt dir nun ein Unglück, dessen Morgen du nicht kennst, fällt über dich ein Geschick das du nicht abzuwenden vermagst, kommt über dich plötzlich Verödung, die du nicht begreifst! Stelle dich doch ein- Mal hin mit deinen Bannern und mit der Menge deiner Zauber die du von Jugend auf studirt; vielleicht kannst du Helsen, vielleicht dich vertheidigen! Bist du deiner vielen Berathungen müde, so lasse doch die Himmelsbanner aüftreten und dir׳ helfen, die Sterneschauer, die für jeden Monat etwas von dem verkünden, was dich treffen möge! Steh, sie sind selber׳ wie Stroh, Feuer hat sie verzehrt, wissen sich selbst nicht aus der Flamme zu retten u. s. w."; Ja, das Entsittlichende dieser vermeintlichen, Natur und Gvtter meisternden Wissenschaften und Künste scheint selbst innerhalb des Götter-Unwesenö.sich fühlbar gemacht zu haben, indem vor ihrem Ansehen selbst das Gebet zu den Göttern in den Hintergrund trat, das, durch das Abhängigkeitsgefühl, das in ihm zum Bewußtsein kommt, doch immerhin noch einigen sittlichen Einfluß behält.; Drohte ein Uebel so versuchte man es erst mit der Zaubermacht der Wissenschaft, und erst wenn die sich als nutzlos erwiesen, flüchtete man zu dem Heiligthüm der Götter um zu beten und hatte dann oft das Beten verlernt. Wenigstens lesen wir von Moab (Jes. 16): ״Wenn es sich erst gezeigt hat, daß Moab sich vergebens auf der Anhöhe — (wie der alte Moabiter-König Balak mit seinem Zauderer auf den Baals-Höhen) — abgemüht, dann kommt es zu feinem Heiligthüm um zu beten und — kann nicht." Die höchste Macht beruhte gleichwohl bei den Göttern, die ihrer Natur nach, eben als Macht, eher zu verneinen und versagen geneigt mären, und deren Gunst durch Verehrung zu erringen war.