Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1862)
- Article
- Macaulay über die Judenfrage [Rezension]
- Date
- 1862-10-01
- Page
- 41 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Englischen von Dr. PH. Siegs. Bauer. 41 ist oder nicht, das wollen wir hier nicht untersuchen. Die Zahl derer, welche daran glauben, find hervorragend durch Rang, Wohlstand und Talent. Gepredigt ist diese Lehre von den Kanzeln der beiden Kirchen, der schottischen wie der englischen. Mitglieder beider Häuser des Parlaments, Lords und Abgeordnete haben zu ihren Gunsten geschrieben. Nun frage ich, worin unterscheidet sich diese Lehre, was ihre politische Tragweite anbelangt, von der jüdischen Lehre? Wenn ein Jude deßhalb nicht dazu taugt, an unserer Gesetzgebung mitzuarbeiten, weil er glaubt, daß er oder seine späten Nachkommen einmal nach Palästina entrückt werden sollen, können wir dann mit Seelenruhe in das Haus der Gemeinen einen Bekenne! des fünften Weltreichs einlassen, der gewärtig ist, daß, ehe noch diese Generation ausgelebt habe, alle die Königreiche aufgegangen sein werden in das Eine Gottesretch? Läßt sich wohl ein Jude weniger eifrig als ein Christ auf irgend welche Concurrenz ein, welche das Gesetz ihm fretstellt? Ist er in seinem Geschäft etwa weniger thätig und ordentlich als seine Nachbarn? Richtet er sein Haus mangelhaft ein, weil er sich als Pilger und als Gast hier zu Lande betrachtet? Macht ihn die Er- Wartung, dem Lande seiner Väter wiedergegeben zu werden, unempfindlich für die Schwankungen der Course? Ordnet er seine Privatangelegcnheiten immer unter dem Gesichtspunkt der Eventualität einer Auswanderung nach Palästina? Wo nicht, was berechtigt uns denn, vorauszusetzen, daß Gefühle, die seine Geschäfte als Kaufmann, seine Verfügungen als Erblasser niemals beeinflussen, einen unbegrenzten Einfluß über ihn gewinnen würden, sobald er Staütsbeamter wird oder Volksvertreter wird? Ferner ist da noch ein Argument, welches wir nicht letchtsinnig übergehen wollen, und von dem wir doch kaum wissen, wie das ernst zu nehmen ist. Die Schrift, sagt man, ist voll von fürchterltchen Anklagen gegen die Juden. Es steht geschrieben, daß sie zur Knechtschaft bestimmt sind. Können wir Anstands halber dulden, daß sie Staatenlenker werden? Ihnen staatsbürgerliche Rechte cinräumen, das ist ein offenbarer Höhn gegen Gottes Wort. Wir geben zu, daß, eine durch göttliche Allwissenheit eingegebene WrisagNNg Lügen zu strafen, ein schauderhaftes Verbrechen