Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1862)
- Article
- Pädagogische Plaudereien
- Date
- 1862-10-01
- Page
- 24 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Pädagogische Plaudereien. Klugheit in unserm Verhalten mit Kindern. Alles, was sich der Sinnlichkeit und dem Weibe gegenüber als Regel der Klugheit ergeben, findet seine volle Anwendung gegenüber dem Kinde. Schroffheit reizt zur Empörung, Freundlichkeit und Milde sind bahnmachende Herolde dem Ernst. Erzieher und Lehrer, die die Rechte der Kindesnatur nicht achten und gegen die Ehre ihrer Zöglinge rücksichtslos sind, die Respekt ertrotzen und Gehorsam nur zu erzwingen wissen, werden sehr bald all ihr Bemühen an der Selbstständigkeit der keinesneswegö ihnen willenlos hingegebenen Kinder-Natur scheitern sehen. Gewonnen wollen unsere Kinder werden, und es gewinnt sie nur die annähernde Rechte, und gerade um so mehr wenn sie selbst die abstoßende Linke noch begleitet. Allein nicht nur ein kluges Verhalten dürfte uns hier gelehrt sein. Ein tieferer Einblick in diese Zusammenstellung des Weisen dürfte uns Weisheit, nicht Klugheit gelehrt haben wollen. Es dürfte sich hier nicht um einen klugen Schlachtplan handeln, den Sieg über von uns zu bewältigende Naturen zu sichern. Die der Sinnlichkeit, dem Weibe und dem Kinde dargcbotene Rechte ist nicht eine Kriegsltst, eine Eoncesflon der Klugheit um etwa der abstoßenden Linke ihren Erfolg und ihren Zweck zu sichern. Die annähernden Rechte ist positiver Selbstzweck; die in dieser — durch die Linke umgrenz- ,ten — Annäherung zur Entfaltung kommenden Seiten der Sinnlichkeit und der weiblichen Natur, sind hohen, selbstständigen Werthes, sind hoher weltbauender Bedeutsamkeit; beide gehören wesentlich zur sittlichen Vollendung des Menschen und des Mannes, und die in weiser Umgränzung zur freien selbstständigen Entwickelung gebrachte eigenthümliche Kindesnatur, — nicht die völlige Unterdrükkung — ist der höchste Triumph der Erziehung. Wie keine Seite unserer sinnlichen Natur an sich heillos und schlecht ist, wie die sinnlichste unserer sinnlichen Triebe uns nicht zur Unterdrückung, sondern zur weisen Verwendung im sittlich heiligen Dienst unserö Schöpfers gegeben sind; — wie die mit dem Ernst der männlichen Einsicht gepaarte, und von ihm beeinflußte Wirksamkeit und Thätigkett des Weibes die höchsten Zwecke der Menschenbestimmung vermittelt und die rechte Ehe den Mann erst zum rechten, ganzen Menschen macht: so sollte unsere Erziehungskunst einem