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Jeschurun · 1862-10-01 · Heft 1 (Oktober 1862) · p. 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 1 (Oktober 1862)
Article
Pädagogische Plaudereien
Date
1862-10-01
Page
23 (sequence 6)
Language
German
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Pädagogische Plaudereien. 23 dem Erlaubten und Sittlichen befriedigte Natur fügt sich leicht dem das Unerlaubte und Schlechte versagenden menschlichen Willen. Welcher Mann wird von seinem Weibe nicht beherrscht werden? Nicht der mit tyrannischer Sultanslaune sich als den alleinigen Angelpunkt des Hauses betrachtet wissen und in allen Beziehungen des häuslichen Lebenö nur seinen Willen als den allein zu beachtenden zur Geltung bringen will. Nicht der sein Weib zur Sklavin erniedrigen mochte. Das in seinen Rechten und Ehren gekränkte Weib wird zu einem Kampfe um die Herrschaft mehr gestachelt, der in tausend Fällen gegen einen damit endet, das ״starke Geschlecht" in das Launen-Gängelband des schwächer» zu garnen und das schwache zur Siegerin eben durch die Künste der Schwäche zu machen. Nur der wird sich die Selbstständigkeit auch in dem Doppelleben mit seinem Weibe bewahren, der auch dem Weibe in dem ganzen Gebiete ihres weiblichen Wirkens Herrin sein läßt, der ihr selber mit der ganzen achtenden Huldigung begegnet, der, nach dem Worte der Weisen, sein Weib liebt wie sich selbst und es ehrt mehr als sich. Das in der ganzen Würde seiner Weiblichkeit sich geachtet und geehrt fühlende Weib wird auch den Mann in dem Gebiete seines Waltens ehren und sich nicht zu erniedrigen, sichnur selber zu ehren glauben, indem sie in den ernsten Angelegenheiten des männlichen Waltens sich dem Willen und den Wünschen des sie ehrenden Mannes fügt. Das lehrt die Klugheit für unser Verhalten mit jedem schwächern, von unS zu leitenden, und gleichwohl mit selbstständiger, keineswegs ganz in unfern Willen ausgehenden Natur begabten Wesen, von dem wir ein freiwilliges Auf- und Eingehen in unser Wollen und Wünschen erwarten möchten. Wir werden dies überall um so mehr erreichen, je weniger wir eine solche Fügsamkeit mit Härte und Schroffheit ertrotzen möchten, je mehr wir daS uns hingegebene Wesen in seiner ihm eigentümlich berechtigten Natur und Stellung achten und anerkennen, je mehr wir seiner Natur in allem Berechtigten und Löblichen freien Spielraum gewähren, je mehr wir mit der sernhaltenden Festigkeit die an sich ziehende Milde und Freundlichkeit paaren, je mehr wir der annähernden Rechte über die fernhaltende Linke die Oberhand lassen. Und ganz dasselbe lehrt die

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