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Jeschurun · 1862-10-01 · Heft 1 (Oktober 1862) · p. 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 1 (Oktober 1862)
Article
Pädagogische Plaudereien
Date
1862-10-01
Page
22 (sequence 5)
Language
German
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22 Pädagogische Plaudereien, kürzer« Datum find, beiten die ganze Zukunft noch offen steht, deren Alter ganz eigentlich daö Alter der Bildungsfähigkeit, und deren innerer sittlicher Kern der weckenden und fretmachenden Kunst unserer erziehenden und bildenden Pflege übergeben ist?! Nicht der Strenge und Härte, der Liebe, der unermüdlichen, nicht zu vertilgenden Liebe, nur ihr gelingt diese Kunst. Strenge und Härte sind nur die periodisch notwendigen und heilsamen rauhen Seiten der erziehenden Witternngsathmosphäre. Es sind die Stürme und Regenstürze, die welke, unnütze, hindernde Zweige und Blätter abknicken, verderbendes Gewürm zerstören. Allein es ist nur der täglich stillfallende Thau, der mildrteselnde Regen, die heiter strahlende Sonne, die überall die schlummernden Keime zu Kraft und Leben, zu Schmelz und Blüthe wecken und zeitigen, und es ist auch nur der milde Ernst und die heiter« Liebe, die die Kinderseelen zur geistigen und sittlichen Entfaltung bringen. ,יצר תינוק ואשר, lautet das große Wort eines Weisen, Triebe, Kinder und Frauen, תהא שמאל דוחה וימין מקרבת, nähere immer die Rechte, während die Linke sie entfernt.(ר׳ שמעון בן אלעור Sanhedrin 104 b.), und hat damit eben die an sich ziehende, annähernde Freundlichkeit und Milde als immer durchblickenden Grundton für die Be- Handlung unserer Kinder gesetzt. Es hat aber durch diese Zusammenstellung anscheinend so disparater Gegenstände dem Nachdenken ein Feld fruchtbringender Betrachtung eröffnet, das für jeden derselben an nicht unerheblichen Bemerkungen ergiebig sein dürfte. Versuchen wir das Ergebniß dieser Zusammenstellung in Beziehung auf unfern Gegenstand, die Kindererziehung, zu ermitteln. Also תינוק wie יצר und ,אשר gegenüber soll immer die annähernde Rechte über die entfernende Linke vorwalten. Wie werden wir unserer Sinnlichkeit Meister? Nicht, indem wir sie gänzlich unterdrücken. Wer sich der natürlichen Sinnlichkeit, der der Menschen-Natur eingeborenen Triebe gänzlich entäußern wollte, ließe sich in einen Kampf ein, kn welchem er sicherlich den Kürzer» zieht. Die gewaltsam unterdrückte Natur wird mit doppelter Gewalt erwachen, und sich für das gewaltsam Versagte mit noch gewaltsamerer Unterjochung rächen. Nur dem gelingt die Bändigung seiner Triebe, die beherrschende Leitung der Sinnlichkeit, der ihnen im Erlaubten und Naturgemäßen Befriedigung gewährt. Die mit

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