Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1862)
- Article
- Pädagogische Plaudereien
- Date
- 1862-10-01
- Page
- 21 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogisch« Plaudereien. 21 Taugenichts gehandelt «. f. w. enthielte schon in dem Vorwurf den mächtigsten Sporn zukünftig bcsserm Verhalten. Es ist wichtig, daß unsere Zöglinge zu dem Bewußtsein kommen, Unrecht gehandelt zu haben, es ist ebenso wichtig, ja noch wichtiger, daß ste stch das Be-- wußtsetn behalten, nicht so in irgend ein Unrecht stch hineingelebt und hineingewöhnt zu haben, daß keine Umkehr ihnen mehr möglich; daß sie wohl חוטאים, aber keine חטאים sein, wie ich einmal sehr treffend in einer Schrift des M. B. Friedenthal zur Erläute-, rung des Ausspruchs der Berurja gelesen. Berurja hatte bekanntlich ihren Gatten R. Meir, der viel von bösen Nachbarn zu leiden und in seinem Unmuthe deren Tod herbeigewünscht hatte, erinnert: מאי רעחיך משום רכתיב יתמו חטאים מן הארץ מי כתיב חוטאים חטאים כתיב, eine Erinnerung, die man gewöhnlich dahin versteht: ״Du meinst ״weil es heißt es mögen die Sünder von der Erde schwinden, steht ״doch nicht Sünder (חוטאים), sondern: חטאים die Sünden, bete daß ״die Sünden schwinde», nicht aber die Sünder!" Nun steht aber in der That auch nicht חטאים, was allerdings Sünden bedeuten würde, sondern חטאים, welches doch wirklich Sünder heißt, und wäre die Bemerkung der weisen Berurja völlig unverständlich, wenn nicht ein bedeutender Unterschied zwischen חוטאים und חטאים wäre. חוטא ist ein Mensch, der sündigt, und wer auch nur einmal sündigt, in dem Augenblicke ist er ein חטא;חוטא aber ist der, dem das Sündige zur Gewohnheit, zur zweiten Natur geworden, der Sünder aus Grundsatz, zu dessen Besserung keine Hoffnung ist. Es ist derselbe Unterschied wie zwischen ■גונב und חורש ,גנב und סולח ,חרש und סלח u. dgl. Ob Jemand חטא sei, ein principieller, unverbesserlicher Sünder, das weis nur Gott. Wir kennen nur חוטאים, wir sehen nur Menschen sündigen, und wenn im Psalm den חטאים den Unverbesserlichen der Untergang gewünscht wird, so sind wir darum nicht berechtigt, irgend Jemanden für einen solchen חטא zu halten, dürfen um keines Menschen Untergang bitten, dürfen, wie Berurja erinnert, um um seine Besserung beten, אלא בעי רליהררי בתיוכתא — Sollen wir so selbst bei Erwachsenen, bereits dem erziehenden äußern Einfluß Entzogenen, nie die Hoffnung auf Besserung von innen heraus verlieren, wie dürften wir je uns der guten Meinung bei Kindern entschlagen, bei denen ja Gewohnheiten nur noch von